'Chernobyl Diaries' im Kino
Verstrahlter Urlaub

Oren Pelis Kinoerfolg „Paranormal Activity“ ist längst bekannt wie ein bunter Hund aus dem Jenseits. Im Horrorfilm „Chernobyl Diaries“ zeichnet Peli nun für das Drehbuch verantwortlich, mit dem eine neue Grusel-Reihe gestartet werden soll. Funktioniert aber nur leidlich.

Chernobyl Diaries

Gute Aussicht: Die Extremurlauber der „Chernobyl Diaries“ mit Blick auf die Skyline von Pripyat (Warner Bros. Pictures)

Die einfache Geschichte von „Chernobyl Diaries“ hat anfangs noch Potential: Sechs Urlauber denken sich, dass sie in ihrer freien Zeit etwas Außergewöhnliches erleben wollen und schnappen sich einen Führer für extreme Touren. Das Ziel der Gruppe: Pripyat, die Stadt, die ergänzend zum Kernkraftwerk Tschernobyl für die Angestellten gebaut wurde. Offiziell handelt es sich um eine Geisterstadt, doch natürlich sind die Touristen nicht alleine. Und eine aggressive Meute verstrahlter Tiere ist natürlich nicht das Einzige, was sie erwartet…

Um den Grusel in der Ukraine umzusetzen, übernimmt Newcomer Bradley Parker den Regiestuhl. Parker selbst war bisher vorrangig für die visuellen Effekte in Kultfilmen wie „Fight Club“ und „Triple X“ zuständig. Und auch wenn über folgenden Kritikpunkt gestritten werden darf: Im Geschichtsverlauf wird sich zeigen, dass die Pripyat-Crew einen Preis für das dümmste Verhalten in Gefahrensituationen verdient. Als hätte keiner der Sieben je etwas von einem Horrorfilm gehört sind sie allesamt Meister darin, zum falschen Zeitpunkt auf dämliche Ideen zu kommen. Und diese gehen weit über das obligatorische Aufteilen der Gruppe hinaus: Anstatt vor Schüssen davonzulaufen gehen sie zielstrebig darauf zu. Flüchten Führer Uri und Co. vor Verfolgern bleiben sie gerne stehen und besprechen den weiteren Plan. Und so weiter. Gegen Ende haben die Opfer des Horrortrips dermaßen viel Blödsinn verzapft, dass man kaum abwarten kann, bis sie endlich das Zeitliche segnen.

Verloren in Pripyat. Und gleich kommen bestimmt komische Geräusche und Schatten. (Warner Bros. Pictures)

Das wäre alles halb so wild, wenn in „Chernobyl Diaries“ die wenigen Schreckmomente die langsamen Passagen aufwerten könnten; es wird aber etwa nie gezeigt, wenn jemand der Gruppe tatsächlich stirbt. Außerdem kann sich Parker nicht entscheiden, ob er wieder in die Kerbe von „Found Footage“-Filmen á la „Blair Witch Project“ schlagen oder lieber einen traditionellen Horrorfilm drehen will. Das Ergebnis ist eine seltsame Mischform, das anfangs gar nicht so übel aussieht, in der zweiten Hälfte aber zu einer wilden Fuchtelei mit der Kamera verkommt. Das Paradoxe dabei ist, dass die Logiklücken in einer gefakten Dokumentation plausibler gewesen wären als es in der Kinoversion der Fall ist.

„Chernobyl Diaries“ ist ein Film, der nicht weiß, was er sein möchte. Oren Peli hat mit „Paranormal Activity“ bewiesen, dass er durchaus ein Händchen für Atmosphäre und logischen Aufbau einer Geschichte besitzt. Der tödliche Ausflug nach Pripyat lässt davon leider nicht mehr viel erkennen. Hardcore-Horrorfans finden vielleicht ein oder zwei nette Momente, für jeden anderen Kinogänger hat „Chernobyl Diaries” wenig bis gar nichts zu bieten.

Horror-Flachzange:

„Chernobyl Diaries“
(USA 2012)
Regie: Bradley Parker
mit: Devin Kelley, Jesse McCartney, Jonathan Sadowski, Olivia Dudley, Ingrid Bolsø Berdal, Dimitri Diatchenko u.v.m.

Kinostart: 21. Juni 2012

www.chernobyldiaries.com

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