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'W.E.' im Kino Madonnas schöner Film
von Peter Fuchs am 26. Juni 2012
Alternative zum Fußballgucken gesucht? Vielleicht Kino? Wir raten jedoch ab, sich Madonnas zweite Regiearbeit „W.E.“ anzuschauen. Eine große Kraft provoziert stets eine Gegenkraft. Dieses Wechselspiel zeigt sich auch in den bisherigen Rezensionen zu Madonnas zweiter Regiearbeit „W.E.“. War zu Beginn der Tenor von allen Kritikern einhellig negativ, so tauchen aktuell immer mehr Stimmen auf, die den Film gutheißen und Madonna als Regisseurin und Drehbuchautorin verteidigen. Das ist vielleicht einer großen Verehrung der Popsängerin zuzuschreiben oder dem reflexartigen Wunsch, gegen den Strom zu schwimmen. Ein überzeugendes Argument für den Film ist jedoch noch nicht aufgetaucht. Der Autor dieser Zeilen ist auch ein Fan von Madonna. Das macht ihn im Kino aber nicht blind. Madonna drehte mit „W.E.“ einen schönen, ästhetisch ansprechenden Film. Das war wohl auch ihr Ziel und Tom Fords „A Single Man“ ihr Vorbild. Sie erzählt die Geschichten zweier Frauen – Wally Winthrop und Wallis Simpson – die durch mehr als sechs Jahrzehnte getrennt sind. Die New Yorkerin Wally (Abbie Cornish) ist 1998 eine einsame Ehefrau, die von einer Lovestory aus den dreißiger Jahren besessen ist. Damals dankte der britische König Eduard VIII ab, um die Frau, die er liebte, heiraten zu können. Diese Frau war Wallis Simpson, Amerikanerin und geschieden, also kein standesgemäßes Queen-Material für die Windsors. Im Zeitsprung vor und zurück lässt Madonna das Leben der Wally mit der Story von Wallis (Andrea Riseborough) und Edward (James D’Arcy) ineinandergreifen, von den glamourösen frühen Tagen ihrer Romanze bis zur langsamen Entfremdung in den Jahrzehnten, die folgten. Auch Wally geht es gerade nicht gut. Ihr reicher Ehemann trinkt, betrügt und schlägt sie, während sie krampfhaft versucht, sich mit einer Hormontherapie für eine Schwangerschaft vorzubereiten. So dick kann es manchmal kommen. Wally flüchtet daher oft zu Sotheby’s, wo gerade der gesamte Hausstand von Wallis und Edward versteigert wird. Dabei lernt sie einen Security-Mann kennen, der sich ihr zuvorkommend, liebevoll und witzig nähert, gut aussieht und charmant mit ihr flirtet. Man ahnt gleich zu Beginn, wie alles enden wird. Die Story der Gegenwart ist kitschig und seicht. Deshalb ist man froh, wenn die Handlung wieder in die Dreißiger schwenkt, wo zumindest die präsente Andrea Riseborough ihrer Figur so etwas wie Charaktertiefe abringt. Sonst zeigt Madonna ein stilistisches Mischmasch, in dem viel cinematografisches ChiChi und Kunsthandwerk zu sehen ist, das den Spannungsbogen maximal über die Länge eines Musikvideos aufbauen kann. Das mag man vielleicht noch hinnehmen und sich dafür an der Oberfläche der wunderschönen Sets und exquisiten Requisiten erfreuen. Was aber nicht geht, ist diese Oberflächlichkeit auch auf die Darstellung von Gewalt gegen Frauen auszuweiten und solche Szenen bloß als emotionalisierenden Effekt einzusetzen. Das hat dieses ernste Thema nicht verdient. Dem Publikum lässt Madonna nur die Chance, das Geschehen als Schocker zu empfinden. Die gebotene Analyse von Macht- und Gewaltstrukturen ist nicht möglich, die Täter bleiben ohne Gesicht oder ohne Geschichte, die Frauen verharren in ihrer Opferposition. Diesen Anfängerfehler kennt man bereits von einer anderen berühmten Regiedebütantin, nämlich Angelina Jolie. Ausstattungs-Romanze: „W.E.“
Kinostart: 21. Juni 2012 Ähnliche Artikel Zum sechsten Mal feiert die derzeit erfolgreichste Action-Serie des Kinos eine Testosteron-Sause… „Moulin Rouge“-Regisseur Baz Luhrmann hat F. Scott Fitzgeralds Klassiker „Der große… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Jared Leto macht wieder Musik. Ein neues Album mit seiner Band ’30 Seconds To Mars’ kommt… Mit „Tanz der Teufel“ verhalf Sam Raimi dem Splatterfilm 1981 zu seinem endgültigen…
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