'The Amazing Spider-Man' im Kino
Spider-Man aus dem Kindermalbuch

Superheldenstau! Zwischen „The Avengers“ und „Dark Knight Rises“ turnt der Spinnenmann im rot-blauen Bodysuit über die Dächer. Warum hat man dabei das Gefühl, den Film gerade erst gesehen zu haben?

Man fragt sich schon: Warum? Nur zehn Jahre nach dem ersten „Spider-Man“-Film mit Tobey Maguire in der Titelrolle und nur fünf Jahre nach dem letzten von Regisseur Sam Raimi, kommt ein Reboot der Saga in die Kinos. Deshalb sei auch jedem passionierten Kinofreund verziehen, wenn er sich im ersten Drittel des Films von einem Déjà-vu zum nächsten hantelt. Wir treffen wieder auf die Patchwork-Familie mit Highschool-Schüler Peter Parker, Onkel Ben und Tante May, erleben einen Bösewicht, der ein Freund der Familie ist und zucken beim Biss einer genetisch veränderten Spinne zusammen.

Erst mit dem Biss kommt Witz in „The Amazing Spider-Man“. Sobald sich der in der Schule gemobbte Peter Parker (Andrew Garfield) mit seinen neuen Superkräften durch die Häuserschluchten Manhattans schwingt, erfreut man sich an der Weiterentwicklung der Computeranimation in den vergangenen zehn Jahren, dem wohl dosierten Einsatz der 3D-Technologie und an einigen sauber geklöppelten Action- und Kampfszenen. Aber auch wenn die schüchterne Verliebtheit zwischen Peter und Schulkollegin Gwen Stacy (Emma Stone) neu hinzukommt und Regisseur Marc Webb behutsam zeitgemäße Themen wie das Mobbing einführt, fragt man sich weiterhin, warum er den vielversprechenden Darstellern Garfield und Stone nicht auch etwas Neues und Frischeres zu tun hätte geben können. Alles ist gut, verbreitet aber so viel kreative Energie wie das perfekte Ausmalen vorgegebener Konturen in einem Kindermalbuch.

Doch es gibt einen Lichtblick am Horizont. Andrew Garfield und Emma Stone sind zwar in ihren Zwanzigern bei weitem zu alt für die Highschool-Kids, die sie spielen. Aber in ihrer Romanze legen sie bereits deutlich die Kanten und Tiefen an, die einem Lust auf das zweifellos folgende Sequel machen. Da haben sich dann hoffentlich alle von Sam Raimis Trilogie frei gespielt und fangen wirklich neu von vorne an.

Spinnen-Action:

„The Amazing Spider-Man“
(USA 2011)
Regie: Marc Webb
mit: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Sally Field, Martin Sheen u.v.m.

Kinostart: 28. Juni 2012

www.The-Amazing-Spider-Man.de

Ähnliche Artikel
 1 2 3 4
Glanz, Glitter und Herzschmerz
„Moulin Rouge“-Regisseur Baz Luhrmann hat F. Scott Fitzgeralds Klassiker „Der große…

Nilz zappt 71
Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle…

„Es geht ums Geld, ums Reichwerden“
Mit seinem neuen Film „Der große Gatsby“ hat…

„Selbsterkenntnis macht sexy“
Jared Leto macht wieder Musik. Ein neues Album mit seiner Band ’30 Seconds To Mars’ kommt…

Und ewig tanzen die Teufel
Mit „Tanz der Teufel“ verhalf Sam Raimi dem Splatterfilm 1981 zu seinem endgültigen…

„Ich trage diese seltsame Frisur wirklich“
Die spitzen Ohren, die merkwürdig gschwungenen…

Ähnliche Galerien
1 2 3 4
Schlagwörter