'Lady Vegas' im Kino
Der verpasste „Point of no Return“

Starbesetzung und Stephen Frears als Regisseur? Die Erfahrung zeigt bisher, dass man sich auf einen sehenswerten Film freuen kann. Doch mit „Lady Vegas“ bekommt diese Erwartungshaltung einen Dämpfer.

Stephen Frears ist der Regisseur, der sich gekonnt neben dem Mainstream entlang hantelt und für die Kinowelt ein paar Meisterwerke geschaffen hat. Erste Aufmerksamkeit errang er in den Achtzigern mit dem Indie-Film „Mein wunderbarer Waschsalon“, in dem der damals noch unbekannte Daniel Day Lewis einen verliebten Schwulen in der Ära Thatcher spielt. Kurz danach begeisterte seine Verfilmung von „Gefährliche Liebschaften“ mit Glenn Close, John Malkovich und Michelle Pfeiffer Kritiker wie Publikum. Mit dem Zockerdrama „The Grifters“ setzte er gekonnt eine merkwürdige Mutter-Sohn-Beziehung mit Anjelica Houston und John Cusack in Szene. Und Helen Mirren bekam für die Titelrolle in Stephen Frears „The Queen“ endlich den verdienten Oscar. Zuletzt amüsierte sein Blick auf die Künstlerboheme in der englischen Provinz („Immer Drama um Tamara“). Filme von Stephen Frears sind also einen Besuch im Kino wert. Das gilt aber leider nicht für seinen aktuellen Film „Lady Vegas“.

Ausgehend von einer wahren Geschichte nimmt sich Stephen Frears nach „The Grifters“ erneut die Spieler- und Wettbüroszene vor. Die junge Beth (Rebecca Hall) ist mit ihrem aktuellen Job nicht zufrieden, seit ein Kunde bei ihrem Hausbesuch-Strip einen Revolver zog. Sie hat den Traum nach Las Vegas zu ziehen, um dort als Kellnerin zu jobben. Dort trifft die unerschütterliche Optimistin aber auf den Profi-Zocker Dink (Bruce Willis). Der macht seine gerade noch legalen Geschäfte, indem er Wettquoten drückt und mit Zweitplatzierten große Gewinne einfährt. Beths hervorragendes Zahlengedächtnis beschert Dink eine Glückssträhne, welche die Kasse klingeln lässt. Man kommt sich auch romantisch näher, bis Dinks Ehefrau Tulip (Catherine Zeta-Jones) der Tändelei eine Ende bereitet und Beth gekündigt wird. Sie heuert darauf bei dem Schlitzohr Rosie (Vince Vaughn) an, der vor allem illegale Wett-Deals anbietet. Als Beth dabei mit dem Gesetz in Konflikt kommt, ruft das auch Dink auf den Plan, um ihr zu helfen. Ob Tulip das zulässt?

Lange Zeit fragt man sich, wann der Film nun endlich in Schwung kommt. Die Story des leichtgläubigen Mädchens, das aus der Provinz im Sündenpfuhl Las Vegas Gefahr läuft unter die Räder zu kommen, nimmt nie so richtig Fahrt auf. Stephen Frears und sein Drehbuchautor verpassen den „Point of no Return“ – den Punkt, wo es für die Protagonistin kein Zurück mehr geben kann. Nur so wird ein Publikum ganz in eine Geschichte hineingezogen. In „Lady Vegas“ plätschert die Handlung aber bloß sanft dahin. Bruce Willis belustigt in kniehohen Baseballstrümpfen und kurzer Hose, Catherine Zeta-Jones liefert in kurzen Auftritten präzise die Charakterstudie einer eifersüchtigen Frau ab. Sonst ist nicht viel. Rebecca Hall schafft es leider nicht, die Naivität ihrer Beth in Sympathiepunkte umzutauschen und bleibt den gesamten Film über lieb doof. Selbst für ein wohlwollendes Publikum kein idealer Anknüpfungspunkt. Auch die Suspense-Momente knapp vor Schluss sowie die Message, dass Liebe alles Geld der Welt aufwiegt, machen da nichts wett.

Glücksritter-Komödie:

„Lady Vegas“
(USA, GB 2012)
Regie: Stephen Frears
mit Bruce Willis, Rebecca Hall, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson u.v.m.

Kinostart: 19. Juli 2012

www.ladyvegas-film.de

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