Hugh Hefner im Interview
„Ich war schon Feminist, bevor es das Wort gab“

Playboy-Gründer Hugh Hefner im Interview über Morddrohungen, verirrte Republikaner, die Höhen, Tiefen und Kontroversen seines Hochglanzmagazins – und natürlich über all die jungen nackten Frauen in seinem Leben.

Happy Birthday, Playboy: Die deutsche Ausgabe des Männermagazins feiert am 1. August ihr 40-jähriges Bestehen. Auch dessen Erfinder Hugh Hefner hat sich für seine 86 Lenze erstaunlich gut gehalten. Am liebsten zeigt er sich immer noch umringt von leicht bekleideten Mädchen. Doch darum soll es im Gespräch mit ihm nicht gehen. Er will über seine Rolle als Vorkämpfer für Bürgerrechte sprechen. So kennt ihn kaum einer. Doch genau darum geht’s auch in der preisgekrönten Dokumentation „Hugh Hefner: Playboy, Aktivist und Rebell“, die gerade auf DVD erschienen ist. Im Interview erzählt er von seiner durchtriebenen Geschichte, seinen Fehlschlägen und natürlich von den Frauen.

Hugh Hefner

Der Playboy, wie wir ihn kennen: Hugh Hefner, ausnahmsweise mal allein in seiner Playboy Mansion. Zumindest für das Foto. (Edel:Motion / “Hugh Hefner - Playboy , Aktivist & Rebell”)

BRASH.de: Mr Hefner, die Welt fragt sich derzeit: Werden Sie auf Ihre alten Tage noch mal heiraten?

Hugh Hefner: (lacht) Ich hoffe nicht! Ich bin wieder zusammen mit der jungen Dame, die einst meine Verlobte war. Sie wohnt jetzt wieder bei mir in der Villa. Ich bin zwar sehr glücklich mit ihr, aber mittlerweile glaube ich, ich bin glücklicher als unverheirateter Mann.

Was mögen Sie an Frauen, wenn man mal das Körperliche außen vor lässt?

Hefner: Nahezu alles! Deshalb begebe ich mich vorsätzlich in ihre Mitte. Ich genieße weibliche Gesellschaft – auch für die guten Gespräche. Und ich muss mir eingestehen, dass ich mehr mit Frauen gemeinsam habe als mit Männern.

Aber müssen die Damen denn immer so jung sein, Herr Hefner?

Hefner: Ach, das ist nur so, weil ich glaube, dass der Umgang mit jungen Leuten mich jung hält!

erste Playboy-Ausgabe mit Marilyn Monroe

Ein Skandal mit Wirkung: Marilyn Monroe (nackt! in Farbe!) auf dem ersten Playboy-Cover der Welt (Edel:Motion / “Hugh Hefner - Playboy , Aktivist & Rebell”)

Nun ist gerade eine Dokumentation über Sie mit dem Titel „Playboy, Aktivist und Rebell“ erschienen. Was davon ist die wichtigste Rolle in Ihrem Leben?

Hefner: Nun, eigentlich meinen der Rebell und der Aktivist das Gleiche. Es sind die Früchte meiner Arbeit, die mich mit dem größten Stolz erfüllen.

Und der Film soll dem Aktivisten und Rebellen Hugh Hefner ein Denkmal setzen?

Hefner: Zumindest ist das Besondere daran, dass es eine Seite von mir zeigt, die nicht so bekannt ist. Denn für die breite Öffentlichkeit bin ich der Playboy mit den Häschen. Aber das ist nun mal nicht alles. Außerdem ist der Film handwerklich sehr gut. Brigitte Berman ist eine Oscar-prämierte Filmemacherin und gute Freundin.

Frau Berman sagte in einem Interview, dass es Feministinnen nicht gefallen hätte, dass sie einen Hefner zeigt, der sich für Menschen- und Bürgerrechte einsetzt. Haben Frauenrechtsgruppen immer noch keinen Frieden mit Ihnen geschlossen?

Hefner: Das hängt von der jeweiligen Frauenrechtsgruppe ab! Der Film dokumentiert, wie ich mich über mehrere Dekaden für Frauenrechte engagiert habe, zum Beispiel für ihr Recht auf selbst bestimmte Abtreibung. Wir haben sogar mal ein Mädchen aus dem Gefängnis geholt, die der illegalen Abtreibung bezichtigt wurde. Ich war genau genommen schon ein Feminist, bevor es das Wort überhaupt gab! Das habe ich nicht nur in meinem Magazin reflektiert. Ab Mitte der Sechziger kam ja auch noch die Playboy-Stiftung dazu, die zum Arm des Aktivisten wurde. Wir haben buchstäblich Geld rangeschafft um die Gesetze im Land zu ändern. Denn vor „Playboy“ waren bestimmte sexuelle Handlungen strafbar.

Überraschend, dass Sie sich auch recht früh für Schwule im „Playboy“ eingesetzt haben.

Hefner: Das stimmt. Wir haben 1955 eine Geschichte im Magazin abgedruckt, die der „Esquire“ zuvor abgelehnt hatte. Die hieß „The Crooked Man“ und handelte von einem heterosexuellen Mann, der in einer Welt, in der Homosexualität die Norm ist, verfolgt wird. Das waren damals absolut konservative Zeiten! Das hat für Aufruhr bei den Lesern gesorgt, wir bekamen viele Hassbriefe.

Haben Sie jemals Morddrohungen erhalten?

Hefner: Oh, ja, die gab es. Mehrfach! Aber zum Glück nicht in der jüngsten Zeit. (lacht)

Hat Ihnen das nie Angst gemacht?

Hefner: Im Gegenteil! Als das Magazin immer populärer wurde und die Millionengrenze an Lesern überschritten hatte, fühlte ich mich ermutigt. Ich wurde immer tollkühner, auch was meine Position als Blattmacher betraf. Das Magazin befasste sich intensiv mit gesellschaftlichen Themen, stand für bestimmte gesellschaftliche und sexuelle Werte. Das ist die andere Säule des „Playboy“, die mir immer wichtig war.

Haben die Kontroversen, die Sie damit hervorriefen, auch Ihr Ego gefüttert?

Hefner: Nein, vermutlich eher meine Brieftasche! (lacht) Mich hat nicht die Vorstellung motiviert, dass das, was ich tun würde, populär sein würde. Ich war motiviert durch meine Überzeugung. Darum ging es beim „Playboy“ von Anfang an. Natürlich habe ich Notiz von dem kontroversen Aspekt meiner Arbeit genommen. Kontroversität ist aber erforderlich, wenn du Veränderungen herbeiführen willst.

Hugh Hefner

War nicht nur ein Playboy, sondern auch der Macher von einem: Hugh Hefner am Cheftisch seiner Redaktion (Edel:Motion / “Hugh Hefner - Playboy , Aktivist & Rebell”)

Sie waren sich also Ihrer Machtposition bewusst?

Hefner: Das war ich! Ich denke, wenn du in einer Position bist, die einen Unterschied herbeiführen kann, sollte man das nutzen. In meinem Fall hatte ich das Gefühl, es war eine Möglichkeit und Verpflichtung, es zu tun.

Warum sind Sie eigentlich kein Politiker geworden?

Hefner: Man hat mir das öfter nahe gelegt. Aber nein, Politik ist doch eine einzige Heuchelei! Da bin ich nicht sehr gut drin. Und ich habe einfach zu viel Spaß! (lacht)

Wenn Sie auf die heutige Gesellschaft blicken, gibt es da denn etwas, das Ihnen besonders sauer aufstößt?

Hefner: Oh ja, ohne Frage! Es sind immer noch dieselben Dinge. Ich denke, die Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung sind Ziele, die einer kontinuierlichen Stärkung bedürfen. Es geht immer zwei Schritte vorwärts und einen zurück. Da gibt es immer Rückschläge. Da ist immer etwas, das dagegen arbeitet. Das habe ich ziemlich früh gemerkt.

Aber eine konkrete Sache, die Sie wütend macht, gibt es nicht?

Hefner: Hier in Amerika haben wir zwei bedeutende Parteien. Und ich finde, die eine davon, die konservativen Republikaner, sind vom Weg abgekommen und haben sich ziemlich verirrt. Das ist etwas, was mir Sorge bereitet.

In den Jahren 1959 bis 1961 haben Sie in Ihrer TV-Show „Playboy’s Penthouse“ schwarze und weiße Künstler gemeinsam singen lassen, um rassistische Grenzen zu überwinden.

Hefner: Die Sendung sollte sein wie eine Party in meiner Villa – ohne rassistische Grenzen. Aber der Süden von Amerika hat die Show nie gezeigt, weil dort Schwarze immer noch diskriminiert wurden. Für mein Magazin habe ich mal einen Schwarzen zum Interview mit einem Neonazi geschickt. So was hat mir Spaß gemacht!

Waren Sie glücklich, als Barack Obama Präsident wurde?

Hefner: Absolut! Als er in sein Amt gewählt wurde, war ich vor allem überglücklich, lang genug gelebt zu haben, um einen schwarzen Mann ins Weiße Haus einziehen zu sehen. Ich würde mir wünschen, dass er weitere vier Jahre im Amt bleibt.

Hugh Hefner - Playboy, Aktivist und Rebell (DVD-Cover)Wenn Sie heute etwas erfinden würden, was wäre das dann?

Hefner: Sicher kein Magazin mehr. Es hätte vermutlich etwas mit dem Internet zu tun. Ich hatte immer eine Begeisterung für das Verlagswesen. Und so wie ich es verstehe, ist das Internet nun das neue Verlagswesen. Die andere Sache, die mich immer faszinierte, sind Filme. Filme hatten einen riesigen Einfluss auf mich. Wenn ich heute ein junger Mann wäre, würde ich mich wohl als Filmproduzent betätigen. Aber ich muss auch sagen, dass ich in romantischeren Zeiten aufwuchs als den heutigen. Da ist eine Menge verloren gegangen.

Was würde der 20-jährige Hefner zu dem 86-Jährigen sagen?

Hefner: Nun, ich glaube, wir wissen sehr gut, was er sagen würde: „Alles richtig gemacht, Hugh!“ Eines der bemerkenswerten Sachen ist doch, dass ich 86 Jahre alt bin und das Magazin in den USA im nächsten Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Junge Leute fühlen sich genauso angezogen vom „Playboy“ und seiner Mystik wie die ältere Generation. Das Ding wird mich noch überleben!

Was war der größte Fehler, der Ihnen unterlaufen ist?

Hefner: Meine Firma Playboy Enterprises 1971 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt zu haben. Ich habe das damals für meine Redakteure und die Investoren der ersten Stunde getan. Aber ich habe es bitter bereut. Im letzten Jahr habe ich mir meine Firma deshalb wieder zurückgeholt. Ich bin sehr glücklich darüber, wie es jetzt läuft. Bei anderen Dingen habe ich zu früh aufgegeben: Ich hatte ein Magazin, das „Show Business Illustrated“ hieß. Wenn wir mehr Zeit und Geld gehabt hätten, wäre es wohl erfolgreich geworden. Es war sehr ähnlich zu „Entertainment Weekly“, das sich Jahre später etablierte.

Letzte Frage, Mr. Hefner: Ihr Vater hatte deutsche Wurzeln. Haben Sie eine spezielle Beziehung zu Deutschland?

Hefner: Ich war natürlich oft in Deutschland und in Europa. Aber die Verbindung schafft für mich unser Magazin. Unsere deutsche Ausgabe feiert jetzt ihren 40. Geburtstag. Wir haben rund um den Globus 29 fremdsprachige Ausgaben von „Playboy“. Die zwei besten davon sind die aus Deutschland und aus Brasilien. In Köln wird bald sogar ein „Playboy Club“ eröffnet.

DVD-Dokumentation:

„Hugh Hefner – Playboy, Aktivist und Rebell.“ Von Brigitte Berman (Edel:Motion), Juni 2012.

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