Christian Bale im Porträt
Der erfolgreichste Choleriker Hollywoods

Ein extremer Kerl für extreme Filme: Schauspieler Christian Bale hat sich für das Ende der Batman-Trilogie ein letztes Mal das Cape des Rächers umgeworfen. Zumindest dieses Monster ist er somit los.

Batman

Vorne der Mann, dahinter sein Monster: Christian Bale als Bruce Wayne in "The Dark Knight Rises" vor seinem Batman-Kostüm (Foto: Ron Phillips / 2012 Warner Bros.)

Es mag nicht auf der Hand liegen, doch Batman und Astrid Lindgren haben eine Gemeinsamkeit. Christian Bale nämlich, der nun in „The Dark Knight Rises“ zum dritten Mal im Kostüm des auch als „dunkler Ritter“ bekannten Superhelden steckt, begann seine Karriere in den achtziger Jahren als Jum-Jum in der Lindgren-Verfilmung „Mio, mein Mio“. Damals war er zwölf Jahre alt, hatte in Fernsehproduktionen und Werbespots erste Schauspielluft geschnuppert und fiel wenig später Steven Spielberg auf, der ihm die Hauptrolle in der Romanverfilmung „Das Reich der Sonne“ gab. Heute ist der 39-jährige Brite einer der erfolgreichsten und bestbezahlten Schauspieler unserer Zeit, für seine Nebenrolle in dem Boxerdrama „The Fighter“ sogar mit dem Oscar ausgezeichnet.

Christian Bale in "The Machinist"

Auch so ein Extremfall: Christian Bale als wahnsinniger Hungerhaken Trevor Reznik in "The Machinist" (2004, Screenshot)

Dass ein solcher Karriereweg nicht unbedingt geradlinig verläuft, versteht sich von selbst. Weil Spielbergs Kriegsfilm sich als Flop entpuppte und auch die Jugendfilme „Die Zeitungsjungen“ und „Swing Kids“ ihn nicht zum Teenie-Star machten, gönnte sich Bale als Erwachsener den Luxus, auf Erwartungshaltungen und Massengeschmack zu pfeifen. Stattdessen suchte sich der Sohn eines Unternehmers und Umweltaktivisten fortan jene Rollen aus, an die sich die meisten seiner Kollegen gar nicht erst herantrauten. Für „Velvet Goldmine“ stieg er mit Ewan McGregor ins Bett, im „Shaft“-Remake gab er einen fiesen Rassisten und in der Verfilmung des Skandalromans „American Psycho“ übernahm er den Titelpart des Serienkillers Patrick Bateman. Emotionalen Extremen setzte er sich dabei stets genauso aus wie körperlichen, nicht nur wenn er – wie bei „Rescue Dawn“ – für Werner Herzog im freien Flug an einem Helikopter hing. Für „American Psycho“ trainierte sich der eigentlich schmächtige Bale wochenlang die notwendigen Muskelpakete an, während er sich für „The Machinist“ später über 30 Kilogramm herunterhungerte. Nur um direkt im Anschluss „Batman Begins“ zu drehen, wofür er abermals 40 Kilogramm zulegen musste.

Dass der Wahl-Kalifornier, der mit dem Ex-Model Sibi Blazic verheiratet ist und eine Tochter hat, auch im Privatleben manchmal Grenzen überschreitet, ist längst bekannt. 2009 wurde eine während der Dreharbeiten zu „Terminator: Die Erlösung“ entstandene Tonaufnahme öffentlich, die einen minutenlangen Wutanfall Bales dokumentierte. Weil der Kameramann während des Drehs durch sein Blickfeld gelaufen war, hatte der schon zuvor als zwischenmenschlich nicht unkompliziert bekannte Star vollkommen die Beherrschung verloren – und sein Image als Choleriker zementiert. Bereits ein Jahr zuvor war er in die Schlagzeilen geraten, als ihn die Londoner Polizei verhörte, nachdem ihn angeblich die eigene Mutter und Schwester wegen Handgreiflichkeiten angezeigt hatten. Und Ende 2011 kam es in China zur Konfrontation mit Beamten, als Bale mit einem CNN-Team im Schlepptau versuchte, unerlaubterweise den Dissidenten Chen Guangcheng zu besuchen.

Als Batman in Christopher Nolans Filmtrilogie waren es letztlich genau diese Abgründe und Unberechenbarkeiten, die Bale zur Idealbesetzung machten. Statt einem makellosen, positiven Helden mit Vorbildfunktion schwebte dem Regisseur eine gequälte Seele, ein in jeder Hinsicht düsterer Einzelgänger vor, den sein Darsteller mit großer emotionaler Wucht und ganz ohne das sonst bei Comicverfilmungen so beliebte Augenzwinkern verkörperte. Auch in „The Dark Knight Rises“ ist das nun nicht anders – und doch hängt Bale, der aktuell für Regie-Legende Terrence Malick vor der Kamera steht, das Cape des Rächers jetzt für immer an den Nagel. „Wir haben Anfang, Mitte und Ende. Dabei sollte man es belassen“, sagte er kürzlich der Zeitung Die Welt mit Blick auf jene Rolle, die er immer wieder als Monster beschrieben hat. Die Aussicht, dass in absehbarer Zukunft dann ein anderer Schauspieler dieses Monster übernehmen wird, stört ihn nicht, wie er einem US-Magazin verriet: „Natürlich wird das produzierende Studio schon bald an einer Neuauflage der Batman-Reihe arbeiten. Aber damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil wird es faszinierend sein zu sehen, wie mein Kollege dann die Figur anlegen wird.“ Von einem kann man jedenfalls schon mal ausgehen: einen Bezug zu Astrid Lindgren wird es beim nächsten Batman vermutlich nicht wieder geben.

zur Rezension von “The Dark Knight Rises”

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