Seth MacFarlane im Interview
„Irgendwann wird es auch einen ‘Family Guy’-Film geben“

Mark Wahlberg und ein Teddybär: Regisseur und „Family Guy“-Erfinder Seth MacFarlane im Interview über Altersfreigaben, seine Beziehung zu 9/11 und die lange Entstehung seines ersten Kinofilms „Ted“.

Beim Interviewtermin in einem Berliner Nobelhotel geht es Seth MacFarlane eher mittelprächtig. Eigentlich hat er allen Grund zur Freude: Sein erster Kinofilm „Ted“ ist am Wochenende zuvor gerade mit einem beeindruckenden Einspielergebnis auf dem ersten Platz der US-Kinocharts gelandet. Doch ausgerechnet an diesem mit Presseterminen vollgepackten Tag rebelliert der Magen des 38-jährigen Amerikaners, der es als Erfinder der Kult-Zeichentrickserie „Family Guy“ zu Ruhm brachte. Zu viel gefeiert? Dazu sagt er nichts. Aber das Gespräch für eine kurze Toilettenpause unterbrechen muss er trotzdem.

Seth MacFarlane

Lässt die Sau nicht auf Teufel komm raus raus: Regisseur Seth MacFarlane am Set seines ersten Kinofilms "Ted"

BRASH.de: Mr. McFarlane, seit 1999 verantworten Sie „Family Guy“, dazu kamen mit „American Dad!“ und „The Cleveland Show“ sogar noch zwei weitere Zeichentrickserien. Haben Sie bei all der Arbeit trotzdem immer von einem eigenen Kinofilm geträumt?

Seth MacFarlane: Ja, den Wunsch, eines Tages mal bei einem Film Regie zu führen, hatte ich schon lange. Ich wusste aber immer, dass ich auf den richtigen Moment warten und nichts übers Knie brechen würde. Zwischendurch gab es Jahre, da stand es außer Frage, dass ich für ein solches Projekt Zeit habe. Deswegen dauerte es so lange, bis ich mich wirklich mal daran gemacht habe.

Aber war nicht auch die Suche nach dem passenden produzierenden Studio für die Verzögerung mitverantwortlich?

MacFarlane: Nun, sagen wir es mal so: Schon vor etlichen Jahren bot ich den Film jenem Studio an, für das ich auch die Fernsehserien mache. Doch dort hat man abgewunken, zumindest zu dem von mir anvisierten Budget, noch dazu für einen Film mit einer vergleichsweise hohen Altersfreigabe. Denn natürlich war die Animation des Teddybären nicht ganz billig. Allerdings stellte man mir frei, mein Glück anderswo zu versuchen – und so kam ich dann irgendwann bei Universal Pictures unter, wo man mit Komödien wie dieser ohnehin mehr Erfahrung hat.

Seth MacFarlane

War gar nicht so schwer, den Teddybär zu spielen: Seth MacFarlane, eigentlich in der Comicwelt zuhause

Wo Sie gerade die Altersfreigabe ansprechen: da hatten Sie natürlich bei „Ted“ sehr viel mehr Freiheiten als bei den Serien, die ja im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sind, das in den USA streng reguliert wird. Haben Sie also versucht, dieses Mal besonders die Sau rauszulassen?

MacFarlane: Nicht auf Teufel komm raus. Wir versuchen nie, nur um des Schocks willen zu schockieren. Weder in den Serien noch jetzt in „Ted“. Gags, die vielleicht gewisse Grenzen überschreiten, müssen immer noch im Kern witzig sein. Nur beleidigend und unflätig zu sein, das allein reicht nicht aus. Das Knifflige beim Film war nun, dass wir uns selbst kontrollieren mussten, weil es eben – anders als bei „Family Guy“ und Co. – niemand gab, der uns vorgab, was geht und was nicht. Wir mussten dieses Mal also fast noch mehr auf der Hut sein als sonst.

Die Idee, einen Jungen und seinen Teddy gemeinsam erwachsen werden zu lassen, ist ebenso simpel wie clever. Wie kamen Sie darauf?

MacFarlane: Das war anfangs eigentlich ein Konzept für eine Fernsehserie, das noch aus den Jahren stammte, als ich bei der legendären Zeichentrickfirma Hanna-Barbera arbeitete. Aber die Idee war letztlich immer ziemlich unausgegoren, deswegen habe ich sie lange beiseite geschoben. 2006 habe ich sie dann entstaubt, für einen Kinofilm umkonzipiert und erstmals einigen Produzenten als mein Regiedebüt angeboten.

Und warum gerade der Teddy? Hatten Sie selbst früher einen? Oder sogar immer noch?

MacFarlane: Ehrlich gesagt hatte ich nie einen. Aber der Bär ist natürlich der gängigste Repräsentant in Sachen Stofftieren und Schmusedecken, die uns in der Kindheit Halt und Sicherheit geben. Letztlich ist er im Film selbstverständlich vor allem die Metapher für die Unfähigkeit des von Mark Wahlberg gespielten Protagonisten, auch wirklich erwachsen zu werden.

Man darf gespannt sein, wie viele Kinder und Familien nur den Teddy wahrnehmen und dann im Kino eine niedlichen Stofftier-Geschichte erwarten…

MacFarlane: Glauben Sie? Wer auch nur einen einzigen Satz über den Film gehört oder im Internet gelesen hat, weiß doch aber sofort woran er bei „Ted“ ist. Ich würde von Eltern schon erwarten, dass sie sich schlau machen, bevor sie mit ihren Kindern ins Kino gehen. Zumal in unserem Informationszeitalter, wo man wirklich immer und überall nur einen Handgriff braucht, um sich selbst ein Bild zu machen. Wenn also doch jemand mit seinem Kleinkind in einen Film für Zuschauer ab 16 Jahren geht, fühle ich mich nicht verantwortlich.

Sie sprechen den Titel gebenden Teddybären nicht nur selbst, sondern haben ihn – mittels des Motion-Capture-Verfahrens – auch gespielt. War das eine besondere Herausforderung?

MacFarlane: Im Gegenteil war das eher der einfachste Aspekt an der Entstehung des Films. Zumal ich nicht so einen grauenvollen Elastan-Anzug tragen musste, sondern meine normalen Klamotten tragen konnte, an die dann Sensoren angebracht wurden. Meine bisherigen Erfahrungen lagen ausschließlich im Bereich der Animation, da waren Motion Capture- und CGI-Trickserien noch am nächsten dran. Eine viel größere Herausforderung war eher das ganz gewöhnliche ABC des Filmemachens. Verglichen mit der Arbeit an „Family Guy“ ist das wirklich eine ganz andere Sprache, die dort gesprochen wird. Dieses Vokabular musste ich erst einmal trainieren – und zwar nebenbei.

Ted

Die zwei Hauptdarsteller in "Ted" auf einer Couch: Mark Wahlberg und... Ted.

Vermutlich haben Sie schon hunderte Male darüber gesprochen. Aber weil es in „Ted“ ein paar – bewusst tabulose – Anspielungen an den 11. September 2001 gibt, denkt man doch wieder daran, dass Sie damals in einem der Flugzeuge sitzen sollten, die das World Trade Center zum Einsturz brachten.

MacFarlane: Das stimmt. Ich war übermüdet, verkatert und zu spät am Flughafen, auch weil das Reisebüro mir eine falsche Abflugzeit aufgeschrieben hat. Also habe ich damals in Boston meinen Flug nach Los Angeles verpasst. Trotzdem habe ich nie wirklich über Schutzengel, Schicksal oder so etwas nachgedacht. Ich habe schon oft Flüge verpasst, und bei jedem Unglück gibt es Leute, die aus dem einen oder anderen Grund mit dem Leben davonkommen. Wenn man so etwas als Bestimmung auslegt und sich als Folge dessen zu Größerem berufen fühlt, dann sagt das mehr über das eigene Ego als über Gottes großen Plan oder ähnliches. Manche Dinge sind einfach nur Zufall – und genau so sehe ich die Sache mit mir und dem 11. September.

Ein echter Running Gag im Film sind derweil die Verweise an „Flash Gordon“, den trashigen Science Fiction-Film von 1980.

MacFarlane: Wobei ich da gleich ehrlicherweise dazu sagen muss, dass ich kein Fan der ersten Stunde bin. Das erste Mal gesehen habe ich ihn in meiner High School-Zeit, da war der Film bei einigen meiner Freunde schon längst Kult. Als wir das Drehbuch schrieben, suchten wir nach einem Stück Popkultur, das unsere Protagonisten John und Ted verbinden konnte. Für „Flash Gordon“ entschieden wir uns dann auch deswegen, weil sein Hauptdarsteller Sam Jones noch jung genug ist, um für einen Gastauftritt noch einmal in dieses Kostüm zu schlüpfen.

Zum Abschluss noch eine Frage in Sachen „Family Guy“: war da nicht auch mal ein Kinofilm geplant?

MacFarlane: Stimmt, und das ist auch noch immer so. Es gibt zurzeit keine konkreten Pläne, aber ich bin mir eigentlich sehr sicher, dass es irgendwann einen „Family Guy“-Film geben wird. Erst einmal müssen wir sehen, wie lange die Serie noch weitergeht. Mein Vertrag läuft noch für gut anderthalb Jahre, allerdings gehe ich davon aus, dass es die Show auch noch darüber hinaus geben wird. Zumindest solange die Fans noch mehr sehen wollen und wir noch immer genug Ideen haben.

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