'Der Vorname' im Kino
Ein Kind namens Adolf

Darf jeder sein Kind so nennen, wie er möchte? Die französische Komödie „Der Vorname“ untersucht diese Frage auf vergnügliche Weise.

Gepflegter Small Talk unter Freunden, aber das ändert sich bald.

Schauspieler lieben Konversationskomödien wie „Der Vorname“. Müssen sie doch bei den Dreharbeiten nicht in ungemütlichen Kostümen durch den Dschungel hetzen oder in Vollmaske am Meeresgrund agieren. Stattdessen lehnen sie in Alltagskleidung mit einem Drink am Kaminsims und konzentrieren sich voll und ganz auf Text und Charakter ihrer Figur. Auch der Zuschauer hat was davon, wenn dabei witzige Dialoge und eine raffinierte Handlung mit Verve auf die Leinwand kommen. Weil das bei dieser französischen Komödie zutrifft, können also auch Zuschauer diesen Film lieben.

Adolf? Zuerst halten Claude und Pierre die Namenswahl für einen Scherz.

Der linksliberale Literaturprofessor Pierre und seine Frau – Élisabeth ist Lehrerin – laden ihre besten Freunde zum Abendessen ein. Als erster trifft der Musiker Claude ein, seit Kindertagen gern gesehener Gast und bester Freund Élisabeths. Dann folgt Élisabeths Bruder Vincent, ein neoliberaler Immobilienmakler mit lockerem Witz. Während alle auf Vincents schwangere Freundin Anna warten, erfahren sie vom werdenden Vater, welchen Namen er und Anna für den noch ungeborenen Sohn ausgesucht haben: Adolf!

Ja, dürfen sie das? Die Entrüstung über diese Wahl und Vincents Verteidigung wirbeln den als gemütlich geplanten Abend durcheinander und außerdem so manches Familiengeheimnis auf. Neben der genüsslichen Analyse, was politische Korrektheit leisten muss und darf, kommt es auch zu einem Coming-out der etwas anderen Art und weiteren forcierten Geständnissen. Auch wenn manche das nicht hören wollen, drängen lange unterdrückte Beleidigungen dennoch an die Oberfläche. Am Ende zerbricht nicht nur Porzellan, sondern auch ein Nasenbein.

Lalalalala: Élisabeth blendet unangenehme Wahrheiten aus.

Angelegt als Kammerspiel, das die Wohnung von Elisabeth und Pierre nicht verlässt, erinnert „Der Vorname“ an Roman Polanskis „Gott des Gemetzels“. Anders als bei Roman Polanskis Film brillieren hier nicht Weltstars – man beobachtet also nicht die ganze Zeit eine Jodie Foster, wie gut sie eine Rolle spielen kann – sondern hierzulande unbekannte Gesichter. Das erweist sich als Vorteil für den Fluss der Handlung. Dennoch dominieren auch in „Der Vorname“ die Pointen und bescheren dem Zuschauer einen Kinobesuch, der so manche Lachsalve bereit hält.

Gesellschaftskomödie:

„Der Vorname“
(Frankreich 2012)
Regie: Alexandre de La Patellière, Matthieu Delaporte
mit: Patrick Bruel, Valérie Benguigui, Charles Berling, Guillaume de Tonquédec, Judith El Zein u.v.m.

Kinostart: 2. August 2012

www.dervorname-derfilm.de

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