'The Rum Diary' im Kino
Johnny Depp in der Karibik

Schauspieler Johnny Depp war mit dem Autor Hunter S. Thompson befreundet. Nach „Fear and Loathing in Las Vegas“ verfilmt er mit „The Rum Diary“ erneut einen semi-autobiografischen Roman des Amerikaners, der einer der schillerndsten Vertreters des „Neuen Journalismus“ war.

Die Füße im Meer sind für Paul Kemp mehr wert als der Kopf bei der Arbeit. Aber muss es gleich ein Privatstrand im armen Puerto Rico sein?

Johnny Depp hat es noch immer drauf. Als Journalist auf Puerto Rico erklärt er seinem zukünftigen Chefredakteur: „I tend to avoid alcohol.“ Nach einer exzellent getimten Pause setzt er nach: „When I can.“ Nach allzu viel Piraten-Action-Klamauk in der Karibik beweist der 49-jährige Johnny Depp in „The Rum Diary“, dass er noch schauspielern kann.

Chaos im Zimmer, Chaos in Puerto Rico: Schriftsteller und Säufer Paul Kemp am Morgen vor seinem ersten Dienstantritt

Wir schreiben das Jahr 1960 und der versoffene Schriftsteller Paul (Johnny Depp) kommt nach Puerto Rico, um für eine regionale Tageszeitung zu schreiben. Das luftabdrückende Gesellschaftsklima der Ära Eisenhower treibt ihn direkt in das Rum-getränkte San Juan. Paul fabuliert Horoskope und interviewt prollige amerikanische Touristen auf den Bowlingbahnen.

Das scheint ihm auch genug zu sein. Bis ihn der glatte Geschäftemacher Sanderson (Aaron Eckhart) engagiert, damit er freundlich über seine verschlagenen Vorhaben schreibt. Sanderson will sich mit einem Konsortium die schönsten Stellen der Insel unter den Nagel reißen und setzt Pauls Korrumpierbarkeit voraus.

Der muss sich nun zwischen viel Geld und seinen moralischen Standards entscheiden, entdeckt plötzlich die Schattenseiten im sonnigen Paradies und verliebt sich auch noch in Sandersons schöne Freundin Chenault (Amber Heard). Mit ihr oder seinen liederlichen Zeitungskollegen wankt Paul dann auch durch mehrere Suff- und Drogeneskapaden, um am Ende seine Stimme als Autor zu finden.

Wie aus einem "Mad Men"-Reiseprospekt: Johnny Depp, Aaron Eckhart und Amber Heard in "The Rum Diary"

Das alles lässt sich amüsiert beobachten und als eine Liebeserklärung an den Freund Hunter S. Thompson sowie als Abgesang auf den amerikanischen Traum lesen. „The Rum Diary“ kriegt aber nie den halluzinativen Kick wie „Fear and Loathing in Las Vegas“ und wirkt am Ende auch nicht wie ein Film, sondern eher wie die Pilotfolge einer Serie. So verlässt der Zuschauer trotz traumhafter Ansichten der Karibik etwas unbefriedigt den Kinosaal.





Drama:

„The Rum Diary“
(USA 2011)
Regie: Bruce Robinson
mit: Johnny Depp, Aaron Eckhart, Amber Heard, Giovanni Ribisi, Richard Jenkins u.v.m.

Kinostart: 2. August

www.rumdiary-film.de

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