'Entre Les Bras' im Kino
Zen – oder die Kunst einen Salat zuzubereiten

Die französische Koch-Dokumentation „Entre Les Bras“ fasziniert mit schönen Speisen, klugen Gesprächen und meditativer Ruhe.

Entre Les Bras

Wie der Vater, so der Sohn: Michel und Sébastien Bras in ihrem Lieblingsort, der Küche. Dort ist bald nur noch einer Chef.

Wie ein gerade gelandetes gläsernes Ufo liegt das Drei-Sterne-Restaurant Le Suquet auf einem Berg im südwestfranzösischen Laguiole. Dort kocht der weltbekannte Küchenchef Michel Bras, Jahrgang 1946. Er begann im schlichten Landgasthof der Eltern, als Autodidakt entwickelte er völlig neue regionale Gerichte, 1982 erhielt er dann seinen ersten Michelin-Stern. Michel Bras ist tief verwurzelt in den Kochtraditionen und der Landschaft der Auvergne, in seinen Rezepten verarbeitet er das, was in der Gegend wächst. So wie sein berühmtestes Gericht, das Gargouillou aus jungem Gemüse und vielen heimischen Kräutern. Paul Lacoste, der Regisseur des Dokumentarfilms „Entre Les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche“, hat bereits 1999 einen Film über den Sternekoch gedreht, bei der er von Michel Bras’ Arbeit fasziniert war. Jetzt also sein nächster.

Entre Les BrasIm Jahr 2011 steht nicht mehr nur Vater Michel im Fokus: Der vierzigjährige Sohn Sébastien wird das Spitzenrestaurant mit 60 Mitarbeitern inklusive Filiale im japanischen Hokkaido übernehmen. Die Übergabe ist kein Leichtes für den Juniorchef, der nun unter den strengen Augen des Herrn Papa seine eigenen Kreationen und seine Ideen umsetzen will. Aber auch kein Leichtes für den Vater: „Bin ich nicht mehr in der Küche oder auf dem Markt, heißt das, ich bin tot“, sagt Michel Bras einmal. Man kennt das: Der Alte muss lernen, loszulassen und hat Angst vor dem Aufhören, der Junge muss sich beweisen und gleichzeitig sein eigenes Ding erschaffen.

Das Schöne an dieser Dokumentation: Der Vater-Sohn-Konflikt bleibt friedlich. Gesprochen wird zwar auch, gerne übers Essen und das Leben philosophiert, oft aber einfach schön geschwiegen und natürlich noch schöner gekocht. Die Nahaufnahmen der wunderbaren Gerichte faszinieren ebenso, wie die häufige Stille im Film. „Zen – oder die Kunst einen Salat zuzubereiten“, könnte dieser buddhistische Streifen auch heißen. Wenn Michel morgens durch die winterliche raue Berglandschaft joggt oder Sébastien konzentriert vor sich hin kocht, erklingt aber auch mal meditative Klaviermusik. Am Ende hat der faszinierte Zuschauer aber vor allem eines: Kohldampf!

Dokumentarfilm:

„Entre Les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche“
(Frankreich, 2011)
90 Minuten
Regie: Paul Lacoste

Kinostart: 9. August 2012

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