Patrick Huard im Interview
„Ich umarme gerne Menschen“

Im Gespräch mit dem kanadischen Schauspieler Patrick Huard, aktuell in der Komödie „Starbuck“ als Mann zu sehen, der 533 Kinder als anonymer Samenspender gezeugt hat.

In Kanada ist Patrick Huard bekannt wie Til Schweiger in Deutschland. Der Komödiant sorgte als Schauspieler, Stand-up-Comedian, Moderator und Autor schon für so einige Kassenerfolge. Mit dem Film „Starbuck“ ist er nun erstmals in Europa in den Kinos zu sehen. In dieser Komödie spielt er den 42-jährigen Loser David, der sein Leben nicht im Griff hat. Als ihm seine Freundin erzählt, dass sie schwanger ist, entschließt sich David nun endlich erwachsen zu werden. Doch dann bekommt er Besuch von einem Anwalt. Durch anonyme Samenspenden, die mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegen, ist er der biologische Vater von 533 Kindern. Und die Hälfte von ihnen klagen vor Gericht auf die Herausgabe seines Namens.

Die hinreißende Komödie bleibt jedoch nicht in der klamottigen Ausgangslage stecken, sondern sorgt für intelligente Unterhaltung, bei der auch Taschentücher gezückt werden müssen. Wir sprachen mit Patrick Huard am Telefon und wollten im Interview gleich mal wissen, wie er es selbst mit Tränen im Kinosaal hält.

BRASH.de: Weinen Sie auch im Kino, Monsieur Huard?

Patrick Huard: Ich bin bei Kinofilmen immer sehr nah an den Charakteren und an der Geschichte dran. Ist es gruselig, dann fürchte ich mich und wenn es traurig ist, dann weine ich auch. Genauso wie ich lache, wenn es komisch ist. Ich liebe diese Erfahrung im Kino. Eigentlich muss ich dazu sagen, dass ich immer öfter im Kino weine. Ist man selbst Vater, wird man sensibler, jedes Jahr ein bisschen mehr.

Ist Männern das Weinen überhaupt erlaubt?

Patrick Huard: Die Wahrnehmung und das Konzept von Männlichkeit ändert sich. Bei den meisten Männer der letzten zwanzig Jahre, die in Filmen oder auch Werbespots auftauchen, fragte man sich schon: Dürfen wir mal einen guten Mann zu sehen bekommen? Auch mal einen mit einer soften Seite, fürsorglich und mitfühlend? Mein Vater war so ein Typ. Jedes Mal, wenn ich als Kind weinte, hat er mich in den Arm genommen. Er sagte mir oft, dass er mich liebt und küsste mich. Das hat mein Bild von Männlichkeit auch geprägt.

Sie mussten in „Starbuck“ ebenfalls viele Menschen umarmen und fest drücken. Wie ging es Ihnen damit?

Patrick Huard: Oh ja, es waren sehr viele. Zum Glück bin ich ein „Hugger“, ich umarme gerne Menschen, deshalb war es in Ordnung für mich. Das liegt vermutlich auch an meiner Herkunft. In Montréal sind wir sehr körperlich. Das Umarmen ist auch wichtig für die Rolle, dass sich David nun wirklich auf andere Menschen einlässt. Ist eine schöne Qualität, oder?

Ein anderer Aspekt des Films handelt davon, dass David mit seinen 40+ nun endlich erwachsen wird. Wann haben Sie selbst für sich erkannt, dass Sie erwachsen sind?

Patrick Huard: Es begann langsam. Ich habe eine Tochter, die ist 15 Jahre alt. Bei ihrer Geburt spürte ich schon etwas in die Richtung, aber der Durchbruch kam erst, als ich Mitte 30 war. In dieser Zeit sagte ich mir immer öfter, dass ich jetzt nun wirklich kein Kind mehr bin.

In welchen Situationen?

Patrick Huard: Ich musste mich stärker als bisher festlegen, wollte mich auch näher an Menschen binden. Auch bemerkte ich vermehrt, dass ich mich verpflichten wollte und ich habe die Verantwortung über Risiken übernommen. Nach „Starbuck“ veränderte sich noch einmal etwas.

Aha, und was?

Patrick Huard: Familienzeit in meinem Kalender bleibt Familienzeit, egal, was passiert. Das ist für mich nicht mehr verhandelbar. Das ist eine Entscheidung, die ich während der Arbeit an diesem Film getroffen habe.

Haben Sie nach der Arbeit an „Starbuck“ Empfehlungen für angehende Väter?

Patrick Huard: Ich möchte nicht so anmaßend sein, anderen Menschen in dieser Hinsicht Ratschläge zu erteilen. Ich kann aber erzählen, was bei mir funktioniert. Meine Tochter versuche ich nicht zu erziehen, sondern ihr zu ermöglichen, dass sie ihre Flügel so weit wie möglich ausbreiten kann. Vertrauen in sich selbst ist wichtig und vor allem in die eigenen Kinder. Sie treffen dann schon die richtigen Entscheidungen und machen das Beste aus dem, was du ihnen mitgibst.

Komödie:

„Starbuck“
(Kanada 2011)
Regie: Ken Scott
mit: Patrick Huard, Julie Le Breton, Antoine Bertrand, Dominic Philie, Marc Bélanger, Igor Ovadis u.v.m.

Kinostart: 16. August 2012

www.starbuck-derfilm.de

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