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'360' im Kino An der kosmopolitischen Oberfläche
von Peter Fuchs am 21. August 2012
Ein anerkannter Regisseur inklusive erstklassigem Drehbuchautor, dazu eine hochkarätige Besetzung – trotz dieser Zutaten floppt „360“, ein Film über Liebe in einer globalisierten Welt. Regiealtmeister Robert Altman schaffte 1993 einen Coup. Mit „Short Cuts“ verknüpfte er verschiedene Erzählungen von Raymond Carver so spannend und intelligent in einem Spielfilm, dass er ein monumentales Sittenbild geschaffen hatte. In den Storys über den tragischen Verlust eines Kindes, Ehebruch, Telefonsex, eine Wasserleiche bis zu einem großen Erdbeben in L.A. besetzte er die Topstars zu dieser Zeit: von Tim Robbins, Julianne Moore, Matthew Modine über Lili Taylor, Robert Downey Jr., Tom Waits und Frances McDormand bis zur Komikerlegende Jack Lemmon in einer dramatischen Rolle. Aktuell versucht sich Fernando Meirelles („City of God“, „Stadt der Blinden“) gemeinsam mit Drehbuchautor Peter Morgan („Frost/Nixon“, „The Queen“) an einem Ensemblefilm. Beide sind stets oscarverdächtig, also eine gute Ausgangslage. Weiterhin nahmen sich die zwei Arthur Schnitzlers „Der Reigen“ zum Vorbild und übertrugen das frivole Bäumchen-wechsel-dich-Drama aus dem Wien des Fin de siècle ins 21. Jahrhundert. „360“ aber zeigt: beim Versuch der Globalisierung sind sie gescheitert. Der britische Geschäftsmann Michael (Jude Law) ist beruflich viel unterwegs. Darunter leidet seine Ehe mit Rose (Rachel Weisz). Bei einer Reise nach Wien entscheidet er sich nach langem Zögern, doch nicht die Dienste der slowakischen Prostituierten Mirka in Anspruch zu nehmen und setzt damit eine Folge von Ereignissen quer über mehrere Kontinente in Gang. Alles hängt irgendwie zusammen und wir haben den 360-Grad-Blick drauf. Rose verlässt ihren Liebhaber, einen brasilianischen Fotografen. Der kehrt wiederum in eine verlassene Wohnung zurück, weil ihm seine Freundin Laura auf die Schliche kam. Laura sitzt bereits im Flugzeug nach Übersee, wo sie auf einen Vater (Anthony Hopkins) treffen wird, der auf der Suche nach seiner vermissten Tochter ist. Leider kreuzt auch ein Sexualstraftäter (Ben Foster) auf Bewährung ihren Weg. Dazu kommen noch ein muslimischer Zahnarzt, der sich verliebt sowie ein illoyaler Bodyguard. Auch dabei als erpresserischer Geschäftsmann: Moritz Bleibtreu. Leider mäandern die lose miteinander verknüpften Handlungsstränge sehr müde über die Leinwand und erzählen mehr über die Verschwendung dieses formidablen Casts, als über wirklich packende Zusammenhänge. Es gibt einzelne Höhepunkte wie Anthony Hopkins’ Monolog bei den Anonymen Alkoholikern. Diese Prägnanz spülen die darauffolgenden Szenen aber gleich wieder fort. Die Schauspieler geben, was sie können, um ihre Charaktere durch die abgelutschten Splitscreens zu hieven. Statt eines erhellenden Panoramas lässt sich aber nur kosmopolitische Oberflächlichkeit erblicken. Ensemble-Drama: „360“
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