Heimkino-Kolumne
Schlechte Filme, gute Schauspieler

Bemerkenswerte Heimkinoveröffentlichungen der letzten Wochen, oder: der Beweis, dass auch die Oberklasse Hollywoods mal in die unterste Schublade greift.

Gute Schauspieler gibt es auf der Welt reichlich. Gute Filme dagegen sind sehr viel seltener. Die Folge davon ist ein Phänomen, das auf Englisch sehr viel schöner klingt als auf Deutsch: when bad films happen to good people. Denn natürlich wollen auch die guten Schauspieler irgendwie ihr Geld verdienen. Und so landen nicht wenige von ihnen mit schöner Regelmäßigkeit in Filmen, die ihrer eigentlich gar nicht würdig sind.

Samuel L. Jackson

Cooler Typ in uncoolem Film: Samuel L. Jackson in "Meeting Evil" (Sony Pictures)

Paradebeispiel für einen solchen Schauspieler ist Samuel L. Jackson, bei dem erschwerend hinzukommt, dass er scheinbar wirklich nicht „nein“ sagen kann. „Meeting Evil“ (Sony) ist aktuell mal wieder einer dieser Filme, bei denen man nicht genau weiß, warum Mr. Cool da eigentlich mitspielt. Der dramatische Thriller über einen Fremden, der sich unvermittelt im Leben von Normalo John (Luke Wilson) breit macht, ist jedenfalls so miserabel erzählt, dass selbst eine DVD- und Blu-ray-Premiere nicht nötig gewesen wäre. Nur unwesentlich besser ist „Catch .44 – Der ganz große Coup“ (Universum), ein Actionfilm über drei Mädels (darunter die meist komödiantisch aufgelegte Malin Akerman und „Twilight“-Star Nikki Reed), die von ihrem Gangsterboss endlich mal einen großen Auftrag bekommen. Auch hier ist mit Bruce Willis eine Ikone der Coolness am Start, die oft ein bemerkenswert schlechtes Händchen bei der Rollenauswahl hat. Und mit Forest Whitaker als Killer sogar ein Oscar-Gewinner.

Ein Oscar allerdings hat noch nie jemanden vor schlechten Filmen bewahrt. Michael Caine, der sogar zwei von den Goldmännern im Schrank hat, muss auf seine alten Tage (kommendes Jahr wird er 80!) noch Nebenrollen in öden Abenteuerfilmen wie „Die Reise zur  geheimnisvollen Insel“ (Warner) spielen und Dwayne „The Rock“ Johnson als Stichwortgeber dienen. In etwas besserer Gesellschaft befindet sich Willem Dafoe, der für den Oscar zumindest zweimal nominiert war. In „John Carter“ (Walt Disney) sind außer ihm schließlich auch hochkarätige Kollegen wie Samantha Morton, Thomas Haden Church, „Breaking Bad“-Hauptdarsteller Bryan Cranston und Shooting Star Taylor Kitsch mit von der Partie. Dass der ebenso aufgeblasene wie öde Science Fiction-Film zum vielleicht größten Flop des laufenden Kino-Jahres wurde, konnten sie trotzdem nicht verhindern. Kleiner Trost immerhin für Dafoe: in dem australischen Drama „The Hunter“ (Ascot Elite), das bei uns nie auf die Leinwand kam, kann er wenigstens mal wieder zeigen, was schauspielerisch in ihm steckt.

Doppelt enttäuschen muss unterdessen Sam Worthington. Der „Avatar“-Star ist zwar nicht der begnadetste Schauspieler (seine Gesichtsausdrücke kann man an einer Hand abzählen!), aber doch sympathisch genug, als dass man ihm mal wieder einen guten Film gönnen würde. Gleich beide seiner Filme, die es für Heimkino gibt, klingen auf dem Papier allerdings etwas besser als in der Praxis. „Ein riskanter Plan“ (Concorde) ist zwar als Krimi durchaus gewitzt und gut besetzt (u.a. mit Elizabeth Banks, Jamie Bell und Anthony Mackie), aber leider nur leidlich spannend. Und für „Texas Killing Fields“ (Ascot Elite), das Regiedebüt von Michael Manns Tochter Ami Canaan Mann, gilt letztlich das gleiche. Wobei der atmosphärische Südstaaten-Thriller (mit Jessica Chastain) nicht zuletzt an seiner unnötig umständlichen Erzählweise leidet.

Doch natürlich sind in den letzten Wochen auch Filme auf DVD und Blu-ray erschienen, die man guten Gewissens empfehlen kann. „Safe House“ (Universal) mit Denzel Washington und Ryan Reynolds und „Contraband“ (Universal) mit Mark Wahlberg sind beides zwar keine Meilensteine der Filmgeschichte, aber doch solide Actionthriller, die einem sehr unterhaltsam die Zeit vertreiben. „Coriolanus“ (KSM) ist eine sehr reizvoll auf heutige Kriegsregionen übertragene Shakespeare-Verfilmung – und das ehrgeizige Regiedebüt von Hauptdarsteller Ralph Fiennes. Und die beiden skandinavischen Produktionen „King of Devil’s Island“ (Alamode/Al!ve) und „Fear X – Im Angesicht der Angst“ (Sunfilm) – von „Drive“-Regisseur Nicolas Winding Refn – überzeugen beide nicht zuletzt durch ihre Protagonisten, nämlich Stellan Skarsgård beziehungsweise Mads Mikkelsen.

Skarsgard

Guter Schauspieler in gutem Film: Stellan Skarsgård als Jugendknast-Wärter in "King Of Devil's Island" (Alamode)

Eine Klasse für sich sind aber natürlich auch in diesem Monat wieder die Fernsehserien. Dass „The Wire“ ein episodisches Meisterwerk ist, hat sich glücklicherweise endlich auch in Deutschland herumgesprochen. Entsprechend ist „The Wire – Die komplette dritte Staffel“ (Warner) absolutes Pflichtprogramm. Doch auch die in vielerlei Hinsicht zügellose Gladiatoren-Serie „Spartacus: Blood and Sand – Die komplette Season 1“ (Twentieth Century Fox) und das bitterböse Familiendrama „Shameless – Die komplette 1. Staffel“ (Warner) mit William H. Macy (ein Remake einer britischen Serie) sind sehr viel sehenswerter, als man zunächst vielleicht vermuten würde. Mal mit weniger, mal mit mehr guten Schauspielern.

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