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Tony Gilroy im Interview „Jeremy Renner hat etwas Unberechenbares“
von Peter Fuchs am 12. September 2012
Die Serie der Bourne-Thriller geht mit neuem Helden weiter. Wir trafen uns mit Tony Gilroy, dem Drehbuchautor der bisherigen Filme zum Gespräch. Für den neuen Streifen schrieb er nicht nur das Skript, sondern führte auch Regie. Nach den drei Bourne-Filmen sprang Matt Damon ab und Jeremy Renner („Mission: Impossible – Phantom Protokoll“, The Avengers“) auf. Bei allen Filmen dabei: Tony Gilroy. Der Amerikaner schrieb die Drehbücher der ersten drei Bourne-Filme und saß beim aktuellen „Das Bourne Vermächtnis“ auch am Regiesessel. Das ist aber nicht sein Debüt, inszenierte er doch davor den viel gelobten Thriller „Michael Clayton“. Jetzt also ein Bourne-Film ohne Jason Bourne. Wie das gehen kann und ob das der Beginn einer neuen Reihe mit dem Agenten namens Aaron Cross wird, erzählte uns Tony Gilroy im Berliner Ritz-Carlton Hotel. BRASH.de: Um das Pferd von hinten aufzuzäumen – wie geht es nach „Das Bourne Vermächtnis“ weiter, Herr Gilroy? Tony Gilroy: (lacht) Es gibt keinen Plan, die Zuschauer entscheiden das mit ihrem Kinobesuch. Ich hoffe natürlich, dass sie es weiter sehen wollen, gleich ob ich dabei bin oder nicht. Sie sind aber darauf vorbereitet, oder? Tony Gilroy: Das hängt davon ab, in welche Richtung eine mögliche neue Serie geplant ist. Hätten Sie dazu schon eine Idee? Tony Gilroy: Ich könnte mir 30 verschiedene Wege vorstellen, wie es mit Aaron Cross weiter geht. Aber noch ist alles offen. Ok, jetzt von vorne – wie schwierig war es einen Bourne-Film zu schreiben, der ohne Jason Bourne auskommen muss? Tony Gilroy: Sehr schwierig, ich kam an Bord, als sich herausstellte, dass Matt Damon nicht mehr zur Verfügung steht. Allen war klar, dass man Jason Bourne nicht einfach von einem anderen Schauspieler spielen lassen oder simpel ein Prequel zur Saga produzieren kann. Ich sagte den Verantwortlichen, sie sollen mich für zwei Wochen bezahlen, damit ich konzentriert die Thematik mit dieser schwierigen Ausgangslage sondieren kann. Ich trat diesen Job ohne viel Optimismus an, doch dann fand ich die Figur des Aaron Cross. Als er da war, kam die Rolle von Rachel Weisz dazu und die Rolle von Edward Norton. An der Stelle kam ich als Drehbuchautor auf den Geschmack. Wie kamen sie konkret auf Aaron Cross? Tony Gilroy: Ich nahm die Ausgangslage von „Das Bourne Ultimatum“. Jason Bourne wurde nach der Schießerei in der Londoner Waterloo Station enttarnt. Er kommt nach New York und alle Nachrichtensendungen sind voll davon. Das ist ein großes Problem für den Mastermind hinter den Kulissen. Dazu brauchte ich einen neuen Helden und setzte daher auf ein neues Programm. Aber wie finde ich einen Helden, der ein so mythologisches Problem wie Jason Bourne hat? So sitze ich da und entwerfe und skizziere und plötzlich ersteht vor mir eine Figur mit einer Geschichte, die mich interessiert und einem Problem, das mich auch interessiert. Aarons Problem ist mir sogar näher, als das von Jason Bourne. Dass mir jemand die Lichter ausmacht, betrifft mich mehr, als dass ich nicht weiß, ob ich gut oder böse bin. ![]() J. Renner und R. Weisz: Mit der Heldin um die Kurve fahren und gleichzeitig schießen - kleine Jungs mögen das. Sie inszenierten zum ersten Mal Action- und Verfolgungsszenen. Auf was kommt es dabei an? Tony Gilroy: Ich drehte davor zwar noch keine Actionszenen, aber ich schrieb einige. Da konnte ich in der Produktion einiges davon lernen. Was zum Beispiel? Tony Gilroy: Wichtigste Voraussetzung ist, dass man Actionszenen mag, man muss wirklich drin stecken. Am Besten weckt man den 8jährigen Jungen in sich, der gern Dinge in die Luft sprengt. Und ich kann sagen, das ist meins, da habe ich wirklich Spaß daran. Den Rest erledigt der persönlich Geschmack. Am Ende sind natürlich auch Budget und Zeit ein Faktor. Aber dann kommen plötzlich Menschen dazu, die einem helfen, alles umzusetzen. Die muss man nur vom eigenen Geschmack überzeugen. Danach läuft es wie eine militärische Aktion ab, Schritt für Schritt. Einiges davon ist sehr aufregend, vieles aber auch sehr langweilig. Was ist schwieriger – Schreiben oder Inszenieren? Tony Gilroy: Das Schreiben ist schwerer, denn beim Regieführen helfen dir hunderte Menschen. Du setzt dich in einen Stuhl und alles kommt auf dich zu, alles wird an dich herangetragen. Beim Schreiben bist nur du selbst der Motor, da gibt es sonst niemanden. Keiner hilft dir, keiner kümmert sich um dich. Auch deine Familie interessiert es nicht, ob du gerade einen guten oder schlechten Tag beim Schreiben hattest. Du musst jeden Tag selbst die Energie dafür aufbringen. Weshalb bekam Jeremy Renner den Zuschlag für die Rolle? Tony Gilroy: Er ist als Athlet glaubwürdig, er kann die meisten Dinge mit seiner Physis selbst erledigen. Und er hat etwas Unberechenbares an sich. Man weiß bei ihm nie genau, was als nächstes passiert. Jeremy vereint viele Widersprüche in sich und überrascht mich und auch die Kamera immer wieder. Er zeigt auch nicht alles, er behält ein Menge für sich. Jeremy hat nicht das Gefühl, dass er den Leuten gefallen muss. Es gibt viele Schauspieler, die so ein Gefühl haben. Auch ich glaube, dass ich die Leute für mich einnehmen muss. Ein Interview mit mir läuft sicher ganz anders als mit Jeremy. Manche Menschen sind Gastgeber, manche sind Gäste. Jeremy ist eindeutig ein Gast. „Das Bourne Vermächtnis“
Kinostart: 13. September 2012 Ähnliche Artikel Zum sechsten Mal feiert die derzeit erfolgreichste Action-Serie des Kinos eine Testosteron-Sause… „Moulin Rouge“-Regisseur Baz Luhrmann hat F. Scott Fitzgeralds Klassiker „Der große… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Jared Leto macht wieder Musik. Ein neues Album mit seiner Band ’30 Seconds To Mars’ kommt… Mit „Tanz der Teufel“ verhalf Sam Raimi dem Splatterfilm 1981 zu seinem endgültigen…
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