Wotan Wilke Möhring im Interview
„Es war kein erklärter Traum von mir, ‘Tatort’-Kommissar zu werden“

Schauspieler Wotan Wilke Möhring im Interview über deutsches Fernsehen, seine Verpflichtung als kommender „Tatort“-Ermittler, Angebote aus dem Ausland und die aktuelle Liebeskomödie „Mann tut was Mann kann“.

Wotan Wilke Möhring

Ein Kerl fürs Grobe und fürs Feine: Wotan Wilke Möhring, aktuell als Single Paul in der Liebeskomödie 'Mann tut was Mann kann' im Kino zu sehen (Foto: NFP/Warner Bros. 2012/Jürgen Olczyk)

Ob die Kifferkomödie „Lammbock“, die Ganoven-Farce „Hardcover“, Peter Thorwarths Unna-Trilogie-Abschluss „Goldene Zeiten“ oder die Low-Budget-Produktion „Video Kings“: Mit Filmen wie diesen und Sprüchen wie „Alles fit for fun?“ hat sich Wotan Wilke Möhring in die Komödienhirne des Landes gegrinst.  Aber es war nie nur das leichte Fach, das Möhring lag: Sein Leinwanddebüt als Hauptdarsteller feierte der Schauspieler, gelernte Elektriker, Ex-Punk und -Zeitsoldat mit dem Thriller „Das Experiment“ und überzeugte seitdem durch Charakterrollen wie in „Antikörper“ und besonders der Fernsehproduktion „Das Letzte Schweigen“, in der er einen pädophilen Familienvater spielt. Der 45-jährige Möhring ist selbst Vater zweier Kinder und lebt mit seiner Freundin in Köln. Sein größter Durchbruch steht ihm aber noch bevor: Für den NDR wird Möhring bald als neuer „Tatort“-Kommissar neben Til Schweiger vor der Kamera stehen. Jetzt ist der Dauersympath aber erst noch in der naturgemäß überraschungsarmen Liebeskomödie „Mann tut was Mann kann“ im Kino zu sehen – ein Genre, das ihm seit „Männerherzen“ offenbar ebenfalls liegt.

BRASH.de: Herr Möhring, Sie spielen seit jeher ein breites Spektrum, von kleinen Arthouse-Produktionen bis hin zu Kommerzkomödien wie „Männerherzen oder ihrem aktuellen Film „Mann tut was Mann kann“. 2009 sprachen Sie in der SZ mal über den Marktwert eines Schauspielers. Hat sich der spürbar verändert in den letzten drei Jahren?

Wotan Wilke Möhring: Gerade nach dem unglaublichen Fass, dass man da mit dem „Tatort“ geöffnet hat, ist die Außenwahrnehmung schon eine breitere. Das ist aber auch ein Pay-Off von vielen anderen Rollen, die ich gespielt habe. Und es ist schön, dass man gleichzeitig auch als Charakterdarsteller wahrgenommen wird. Schließlich will ich Verantwortung für die Figuren übernehmen.

Fliegen Ihnen solche Rollen mittlerweile zu?

Wotan Wilke Möhring: Es ist natürlich schöner wenn du bei Filmschaffenden einen bestimmten Stellenwert hast. Wenn man sich einmal bewiesen hat, ist der Job leichter, aber gleichzeitig auch schwieriger. Die Pyramide ist steil da oben. Jede Rolle, die du falsch annehmen kannst, und sei es aus guten Beweggründen, wird dir um die Ohren gehauen. Du bist kritikanfälliger geworden mit der Bekanntheit. Bekanntheit ist zweischneidig. Es kann ja auch sein, dass du es vermisst, kleine Sachen zu machen. Ich versuche immer noch Studentenfilme zu drehen für kein Geld und Dinge, die mir Spaß machen. Man muss aufpassen, dass man nicht nur die Masse, sondern auch sich befriedigen will. Die Herausforderung ist mein Genre.

Wotan Wilke Möhring

Immer ganz gut drauf: Wotan Wilke Möhring, hier beim Gewinn des Deutschen Fernsehpreis 2012 für seine Rolle in "Der Letzte Schöne Tag" (Foto: WDR/Dirk Borm)

Apropos Abwechslung: Im Vergleich zu Filmen wie „Das Letzte Schweigen, in dem sie beeindruckend einen Pädophilen spielten, müssten doch Aufträge wie „Mann tut was Mann kann leicht verdientes Geld sein, oder?

Wotan Wilke Möhring: Naja, das mag zunächst so aussehen, und ist sogar schön, wenn es so aussieht, es soll ja auch leicht daherkommen. Aber einen so ausbalancierten, zen-artigen Charakter wie Paul zu spielen, den man sich als Freund nur wünschen kann, der seine Wohnung und sein Geld für dich hergibt, ist mir persönlich schwerer gefallen als man das als Zuschauer vielleicht denken würde.

Im Film wirken Sie tatsächlich fast unterfordert.

Wotan Wilke Möhring: Aber das ist ja wieder ein interessantes Bild, weil es von außen kommt über mich als Schauspieler. Man kennt meine Rollen und denkt „mach doch mal“, und ich mache einfach nicht! Ich will jetzt nicht groß mit der Kunst des Weglassens kommen, aber Dinge mal nicht zu machen war sicherlich Teil der Herausforderung.

Spielt bei Ihrer Rollenauswahl mittlerweile auch die Größe und das damit verbundene Geld eine Rolle?

Wotan Wilke Möhring: Nein. Finanzielle Anreize haben mich noch nie interessiert. Eine Erfahrung ist zum Beispiel „Lammbock“: zwei Drehtage und am Ende ein paar der meist zitierten Filmsätze von mir! Wenn man die denn so nennen kann. Die schlagen mir immer wieder entgegen, gerade in Hamburg.

Zum Beispiel?

Wotan Wilke Möhring: „Limbo Ihr Fotzen“ zum Beispiel ist so ein Spruch, der vielen bekannt sein dürfte. Daraus habe ich gelernt: Es gibt keine kleinen Rollen. Bei „supporting characters“ hast du oft die Aufgabe, die Hauptfigur in eine bestimmte Richtung zu bringen. Innerhalb dessen hast du vielmehr die Möglichkeit, dich auszutoben. Bei „Mann tut was Mann kann“ war das zum Beispiel die Rollen von Jan Josef Liefers und Oliver Korittke. Die hatten eine Eindeutigkeit und belegten ein Feld, das richtig beackert werden kann. Hauptrollen sind oft moderater.

Was man von Ihrer Hauptrolle „Antikörper“ zum Beispiel nicht sagen kann.

Wotan Wilke Möhring: Das war eine Ausnahme. Da war die Figur des Hauptdarstellers gleichzeitig das Zentrum, in dem sich Gut und Böse treffen und reiben. Das ist selten, deshalb muss man sich gut überlegen, ob man die Hauptrolle spielen will und dabei weniger zu tun hat – oder ob man Bock hat als Sidekick richtig Gas zu geben. Das kann beides toll sein.

Der „Tatort“ ist die erste Fernsehreihe, in der Sie mitspielen. Hat sich am Konstrukt der Serie als solcher auch wegen des Erfolgs amerikanischer HBO-Serien, etwa „The Wire”, etwas bei uns getan?

Wotan Wilke Möhring: Das Problem bei dieser Vielfalt amerikanischer Top-Dinger ist ja, dass wir alle schlecht dastehen. Die sind einfach geil, die trauen sich richtig volle Pulle was. Man muss aber dazu sagen: Das sind keine öffentlichen Formate, sondern Pay-TV. Das wird hier gerne vergessen. Ich hab zwei Jahre dort gelebt und kann sagen: US-Fernsehen ist das langweiligste Fernsehen im schlechtesten Format, das man sich vorstellen kann. Da stehen wir eigentlich ganz gut da mit verschiedenen Formaten wie „Das kleine Fernsehspiel“ zum Beispiel. Letztlich ist der Unterschied beim Fernsehen der gleiche wie beim Film: Die Amis wollen was machen, das noch keiner gemacht hat. Und machen das. Wir machen lieber was, was es schon gibt. Mut wird nach wie vor gebraucht im deutschen Fernsehen und im Film.

Und Geld – in den USA hat ja schon eine beliebige Folge ein Budget von fünf Tatorten.

Wotan Wilke Möhring: Ja, aber es geht mehr um den Mut und das Drehbuch. Für einen guten Plot brauchst du einfach Brain und Mut, und nicht nur viel Geld.

Und Leute, die dich machen lassen.

Wotan Wilke Möhring: Absolut, das meine ich mit Mut. Sender, Produzenten, Regisseure, die das fördern und machen. Zumal es ja nicht um deren Privatgeld sondern um Fördergelder geht, da würde ich mir mehr Mut wünschen.

Mann tut was Mann kann

Gute Freunde im Film, gute Schauspieler im echten Leben: Jan-Josef Liefers als Schamski und Wotan Wilke Möhring als Paul (Foto: NFP/Warner Bros. 2012/Jürgen Olczyk)

Der „Tatort“ kommt oft bieder daher, Serien wollten Sie lange Zeit nicht drehen. War der „Tatort“ dennoch ein Traum von Ihnen?

Wotan Wilke Möhring: Es war kein erklärter Traum von mir, „Tatort“-Kommissar zu werden. Der Zustand der inneren Reife, mich länger mit einem Format auseinanderzusetzen, ist neu für mich. Wobei ich nicht glaube, dass der „Tatort“ bieder ist. Innerhalb der Flut von Tatorten muss und kann man dafür kämpfen, es mutig darzustellen oder nicht, egal wie die Verpackung bleibt. Die verschiedenen Tatorte haben alle ihre Berechtigung. Es ist nämlich so: Die Verpackung ist stärker als du. Das Format ist das stärkste. Die Leute schalten um 20:15 Uhr in erster Linie den „Tatort“ ein, nicht dich. Später vielleicht auch mal dich. Aber erst den „Tatort“, das haben sie als Kind gelernt, das ist das Lagerfeuer, das wird übernommen von den Eltern. Natürlich mag das eine Übernahme einer Tradition sein, aber es ist eben eine Tradition. Die lebendig zu halten, das ist jetzt unsere Aufgabe.

Welchen Traum haben Sie denn als Schauspieler? In US-Serien zu spielen wie etwa Sibel Kekili in „Game Of Thrones“?

Wotan Wilke Möhring: Natürlich gibt es Träume, auf dem englischen oder amerikanischen Markt Figuren zu spielen, die dich in der Auslebung deiner Leidenschaft als Schauspieler noch mehr reizen. Richtig Gas geben kannst du eher im Ausland, wegen des dortigen Ansatzes, Dinge darzustellen, die es noch nicht gibt. Da gibt es natürlich einige Regisseure, wenn die anrufen würden wäre man sofort da.

Zum Beispiel?

Wotan Wilke Möhring: Die ganzen Engländer, Ken Loach zum Beispiel. Oder die Amerikaner. Auch die Skandinavier, Leute wie Lars von Trier. Die machen voll ihr Ding, und die sind damit erfolgreich. Das ist eine Belohnung von Mut.

Aber es gibt noch keine Angebote?

Wotan Wilke Möhring: Nee. Und wenn doch, dann dürfte ja noch nicht darüber geredet werden, wenn man noch nicht unterschrieben hat!

Liebeskomödie:

„Mann tut was Mann kann“
(Deutschland, 2011)

Regie: Marc Rothemund
mit: Wotan Wilke Möhring, Jasmin Gerat, Jan Josef Liefers, Oliver Korritke, Fahri Yardim, Karoline Schuch u.a.

Kinostart: 11. Oktober 2012

wwws.warnerbros.de/manntutwasmannkann/

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  • Veit Ochlich

    Einfach wunderbar dieser Trailer, ich freu mich auf den Film. Was mir aber auffu00e4llt ist, dass Herr Liefers sehr offt, sehr gleich spielt.Wenn auch gut:-)

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