Daniel Craig im Interview
„Der nackte Oberkörper gehört zum Job“

Zur Filmpremiere des 23. Bondstreifen „Skyfall“ besuchte Daniel Craig Deutschland, um Interviews zu geben – und zeigte dabei eine Seite, die auf erfrischende Weise so gar nichts mit 007 zu hat.

Kann mehr als höfliche Zurückhaltung: Daniel Craig.

Daniel Craig ist ein ziemlich guter Schauspieler. Weil er den James Bond als wortkargen Geheimdienstagenten Marke Einsamer Wolf gibt, erwartet man sich auch im Interview einen einsilbigen Daniel Craig. Weit gefehlt. Beim Gespräch im Berliner Hotel Adlon betritt er ohne großes Tata und PR-Tross den Raum, schüttelt einem ganz unbritisch die Hand und wartet gut gelaunt auf die erste Frage. Was in der nächsten halben Stunde besonders auffällt, ist Daniel Craigs Lachen. Oft lacht er, auch herzlich und lange, manchmal kichert er sogar. Seine Pointen setzt er jedoch trocken und eiskalt. Daniel Craig ist tatsächlich ein guter Schauspieler.

BRASH.de: Lassen Sie uns mal gleich über ein ehemaliges Bondgirl sprechen, Mr. Craig. Wir war es, mit Königin Elizabeth II. für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele zu drehen?

Daniel Craig: (lacht) Ihre Majestät als Bondgirl, das hat was. Dieser Job war reizend und eine besondere Erfahrung. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Wir drehten die Szene ungefähr eine Stunde lang und sie war dabei freundlich und auch sehr witzig.

Agiert die Königin wie eine professionelle Kollegin?

Daniel Craig: Himmel, ja. Sie ist immer genau am Punkt, braucht nur einen Take, improvisiert ein wenig und rauscht dann wieder in ihren Wohnwagen ab. Sie lebt ja nicht im Buckingham Palast, sondern in einem Wohnwagen im Park dahinter. (macht eine Pause) Ich fürchte, Sie werden das so veröffentlichen. (lacht)

Natürlich tun wir das. In „Skyfall“ geht es auch ums Älterwerden. Für Sie als 44-Jährigen ebenfalls ein Thema?

Daniel Craig: Nein, nicht wirklich. Was kann man schon machen, dagegen lässt sich nicht ankämpfen. Klar, einiges tut mir ein wenig mehr weh als vor zwanzig Jahren. Ich beklagte mich kürzlich bei meiner Mutter darüber und sie sagte: Willkommen in meiner Welt! Im Film mochte ich das Aufeinanderprallen der alten und der neuen Welt, repräsentiert durch Ben Whishaw als Q. Er ist dabei, weil die meisten Verbrechen heute im Cyberspace stattfinden. Bond kommt aus der alten Welt und will dem Feind ins Auge sehen und Q muss mit den Fingern über die Tastatur fegen, das ist sein Job.

Aber Bond wird weiterhin seinen nackten Oberkörper zeigen, oder?

Daniel Craig: Der nackte Oberkörper gehört quasi zum Job. Ich machte diesen Fehler in „Casino Royale“ und muss jetzt wohl dabei bleiben, mir mindestens einmal pro Film das Hemd auszuziehen. Es ist im Grunde ziemlich peinlich. Mal schauen, wie lange das Publikum das noch sehen will und die Produzenten es mich machen lassen.

Einmal geht es noch: Daniel Craig lässt sich als James Bond rasieren - oben ohne, versteht sich.

Was ist schwieriger zu drehen: Szenen, in denen Bond heftig trinkt oder Liebesszenen?

Daniel Craig: Am schwierigsten sind Liebesszenen, in denen Bond betrunken ist. Mit einer Explosion im Hintergrund und ein Bösewicht klopft gerade an die Tür. Was meinen Sie?

Klingt tatsächlich nach einer komplexen Aufgabe. Sie erzählten beim letzten Interview in Berlin, dass Sie nur noch Mikael Blomkvist in der Millennium-Trilogie und James Bond spielen wollen. Ist das noch aktuell?

Daniel Craig: Habe ich das erzählt? Ich lüge immer in Interviews. Ich muss ja Antworten erfinden, wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll. Das ist Ihnen schon bewusst, oder? (lacht)

Der neue Bond:

„Skyfall“
(GB 2012)
Regie: Sam Mendes
mit: Daniel Craig, Javier Bardem, Judi Dench, Ben Whishaw, Bérénice Marlohe, Ralph Fiennes, Naomie Harris u.v.m.

Kinostart: 1. November 2012

www.skyfallfilm.de

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