'Skyfall' im Kino
007 zwischen Mainstream-Märchen und Film-noir-Flair

„Skyfall“, der 23. Film mit dem britischen Superagenten, bringt ein Wiedersehen mit altbekannten Charakteristika des mittlerweile 50-jährigen James Bond-Universums. Auf manche kann man sich freuen, ein paar sind jedoch entbehrlich.

Auf dem Weg in die Vergangenheit: 007 (Daniel Craig) mit Aston Martin.

Ach, die guten alten James-Bond-Zeiten! Da schenkt der Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät einer hübschen Frau ein Kompliment, sie bedankt sich brav, erwähnt aber Bedenken, weil ihr Mund zu groß sei. James Bond wischt ihre Zweifel beiseite und sagt: „Nein, er ist gerade richtig. Für mich wenigstens.“ Ja, so verschwitzt waren die „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963). Oder eine Frau stellt sich mit Namen Penny vor. James Bond taxiert ihre Oberweite und sagt: „Die Auslage ist mehr wert.“ Das galt 1971 in „Diamantenfieber“ als lustiger Dialog. Genau wie 1974, als 007 eine Frau mit den Worten begrüßt: „In einem Kleid hätte ich Sie beinahe nicht wiedererkannt.“ Die guten alten James-Bond-Zeiten sehen viele wohl auch durch die Brille verklärender Nostalgie.

Flirt mit Suspense: Bérénice Marlohe als Severine.

Aber dann erfand Daniel Craig die Rolle des Geheimagenten neu. In „Casino Royale“ (2006) beschränkt er sich nicht darauf, Schurken zu killen und die nächste Tussi flach zu legen. James Bond ist in dem dichten und packenden Thriller nun auch ein gebrochener Mann und verletzlich. Er trauert um seine große Liebe und gewinnt erst im Laufe der Handlung seine Tatkraft zurück. Dieser Reboot der Figur wich gänzlich von den gewohnten chauvinistischen Mustern ab und offenbarte auch dank des Darstellers Daniel Craig enormes Charisma. James Bond war endlich im 21. Jahrhundert angekommen und vieles schien fortan möglich.

Doch der Folgefilm „Ein Quantum Trost“ (2008) floppte. Und so versuchen Daniel Craig und Regisseur Sam Mendes („American Beauty“) im aktuellen Streifen „Skyfall“ den Spagat zwischen gefälligem Mainstream-Märchen und James Bond als komplexem Helden mit Film-noir-Flair. Durchwachsen ist auch das Ergebnis. Einerseits beendet er tadellose Stunts mit explodierendem Zugwagon und Caterpillar indem er sich die Manschetten seines Anzugs richtet. Oder er flirtet wie in einem Rückfall in frühere Zeiten mit einem Bondgirl in Versform: „I like you better without your Beretta“. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Zumindest ist das Bond-Girl äußerst attraktiv (Bérénice Marlohe) und darf neben den optischen Vorzügen auch eine smart durchdachte Dialogszene mit dem Geheimagenten spielen.

Die neue Zeit vorne (Ben Whishaw als Q), die alte Zeit hinten (Daniel Craig als James Bond).

Andererseits dringt auch „Skyfall“ in tiefere Schichten von 007 vor. So gelingt Bonds Auseinandersetzung mit der eigenen Schwäche, dem Älterwerden und dem Tod. Auch der Twist, seine Beziehung zu M (Judi Dench) auf den Prüfstand zu stellen, ist raffiniert eingebunden, ebenso wie die Rückkehr in seine Kindheit mit Bonds klassischem Fortbewegungsmittel Aston Martin, um den aktuellen Schurken zu bezwingen.

Der Bösewicht ist diesmal eine richtige Nummer. Javier Bardem gibt den ehemaligen Agenten Raoul Silva narbengezeichnet und nachtragend, mit wasserstoffblonden Haaren als Bonus und legt auf besondere Weise Hand an Bond, anfangs eher zärtlich als brutal. Ein weiterer Clou ist die Wiedereinführung des Waffenmeisters Q (Ben Wishaw). Der ist erst Anfang zwanzig, computerversiert und ein cooler Nerd. In seinem ersten Auftritt trifft er 007 in der Londoner National Gallery und philosophiert über ein Gemälde von William Turner. Dabei prahlt er, zuhause in seinen Pyjamas mehr Unheil unter den Schurken dieser Welt anrichten zu können, als Bond draußen auf dem Feld. In diesem Spannungsfeld funktioniert der 23. Bondfilm und lässt auf eine Weiterführung im 24. Film hoffen.

Zum Interview mit Daniel Craig





Geschüttelt und gerührt:

„Skyfall“
(GB 2012)
Regie: Sam Mendes
mit: Daniel Craig, Javier Bardem, Judi Dench, Ben Whishaw, Bérénice Marlohe, Ralph Fiennes, Naomie Harris u.v.m.

Kinostart: 1. November 2012

www.skyfallfilm.de

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