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„Vielleicht lieber morgen“ im Kino Drogen, Sex und „Rocky Horror Picture Show“
von Patrick Heidmann am 8. November 2012
Geschichten aus dem Kosmos amerikanischer High Schools gibt es wie Pickel im pubertierenden Gesicht. „Vielleicht lieber morgen“ – ein Titel so unscheinbar wie das Mauerblümchen im Originaltitel „The Perks of Being a Wallflower“ – erzählt aber eine, die man noch lange mit sich tragen will. ![]() Auf den ersten Blick ein Pubertierender, wie er im Buche steht: Charlie (Logan Lerman) in "Vielleicht lieber morgen" Stephen Chbosky hat seinen Roman „The Perks of Being a Wallflower“ als gleichnamiges Regiedebüt selbst verfilmt und erzählt darin eine beeindruckende Geschichte aus der Perspektive von Charlie (Logan Lerman, unendlich viel besser als zuletzt in „Die drei Musketiere“). Der Teenager beginnt 1991 sein Freshman-Jahr an der High School, was im Leben aller amerikanischen Schüler einen Einschnitt darstellt, aber für Charlie besonders schwer ist. Denn nicht nur tut sich der schüchterne Junge ohnehin schwer mit dem Knüpfen von Kontakten an der neuen Schule. Er hat auch immer noch daran zu knabbern, dass sich einige Monate zuvor sein einziger und bester Freund das Leben nahm, was ihn in den Augen der anderen nur noch mehr zum Außenseiter macht. ![]() Dort hat schon Marty McFly schlechte Erfahrungen gesammelt: Charly beim Abschlussball an der Seite von Sam (Emma Watson) Seine großen Geschwister und vor allem seine Eltern sind dem introvertiert-grüblerischen Charlie keine große Hilfe. Aber zumindest sein neuer Englischlehrer (Paul Rudd) zeigt Interesse an ihm und fördert auch jenseits des Stundenplans seine Leidenschaft für die Literatur. Und die Begegnung mit dem charmanten Freigeist Sam („Harry Potter“-Star Emma Watson), in die er sich sofort unsterblich und wenig aussichtsreich verliebt, und ihrem selbstbewussten schwulen Stiefbruder Patrick (Ezra Miller aus „We Need to Talk About Kevin“), der heimlich eine Affäre mit dem Quarterback hat, sorgt schließlich für mehr als einen Hoffnungsschimmer in Charlies Leben. Die beiden älteren Schüler nehmen ihn unter ihre Fittiche, führen ihn in ihre exzentrische Clique ein und sorgen dafür, dass er mit allem in Kontakt kommt, was das Erwachsenwerden nicht nur Furcht einflößend, sondern auch großartig macht. Von Drogen über Sex bis hin zu wilden Live-Shows der „Rocky Horror Picture Show“. Natürlich ist „Vielleicht lieber morgen“ nicht der erste Film, der die Außenseiter fernab des Cheerleader-Teams und der Football-Mannschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Auch „Girls Club“ oder „Einfach zu haben“ wählten jüngst vermeintlich unpopuläre Kids als Protagonisten, von der Serie „Glee“ ganz zu schweigen. Aber das funktionierte eigentlich immer nur mittels komödiantischer Überzeichnungen, dem Spiel mit Klischees und jeder Menge Humor. Dagegen geht Chbosky ungleich ernster und feinfühliger an die Sache heran – und zeichnet so ein Bild vom Dasein als Jugendlicher, das man so authentisch und auch fernab aller High School-Rituale gültig selten im Kino sieht. Alle Höhen und Tiefen der Schulzeit haben in seinem Film ihren Platz, von den ätzenden Kommentaren der Sitznachbarn im Unterricht und diesem nagenden Gefühl, womöglich die eigenen Eltern enttäuscht zu haben, bis hin zum Rausch der ersten wirklichen Party, der großen Liebe und dem unermesslichen Glück, langsam bei sich selbst anzukommen. Und der Regisseur und Drehbuchautor schreckt auch vor sehr viel spezielleren und heftigeren Themen wie Missbrauch oder psychischen Traumata nicht zurück – ohne „Vielleicht lieber morgen“ auch nur einen Deut seiner traumwandlerischen Leichtigkeit zu berauben. Besonders glaubwürdig und überzeugend ist dieser kleine große Film aber vor allem in seiner Selbstverständlichkeit, mit der er niemanden aus-, sondern Jugendliche aller Art einschließt. Dank der drei von den Darstellern famos dargestellten Protagonisten gewinnt er eine unvergleichliche Allgemeingültigkeit. Durch die gleichermaßen umwerfend komischen wie traurigen, ebenso euphorisierend lebensfrohen wie tief anrührenden Erfahrungen der Teenagerjahre nämlich muss(te) letztlich jeder durch. Coming-Of-Age-Drama: „Vielleicht lieber morgen“ Regie & Drehbuch: Stephen Chbosky Kinostart: 1. November 2012 Ähnliche Artikel Zum sechsten Mal feiert die derzeit erfolgreichste Action-Serie des Kinos eine Testosteron-Sause… „Moulin Rouge“-Regisseur Baz Luhrmann hat F. Scott Fitzgeralds Klassiker „Der große… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Jared Leto macht wieder Musik. Ein neues Album mit seiner Band ’30 Seconds To Mars’ kommt… Mit „Tanz der Teufel“ verhalf Sam Raimi dem Splatterfilm 1981 zu seinem endgültigen…
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