Martin Freeman im Interview
„Ich hatte wegen Bilbo auch meine Bedenken“

Vom Detektiv zum Hobbit: Martin Freeman im Interview über die Kulissen von Mittelerde, die Tattoos von Ian McKellen und Elijah Wood und seinen bevorstehenden Durchbruch als Bilbo Beutlin im Blockbuster „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“.

Man kann davon ausgehen, dass sich das Leben und die Karriere von Martin Freeman grundlegend ändern werden. Denn der Brite mit dem unscheinbaren Namen und ebensolchem Gesicht ist endlich in der Titelrolle des Films zu sehen, der in diesem Jahr wie kaum ein zweiter erwartet wurde: Am 13. Dezember startet „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“. In die Geschichte der Popkultur hatte sich der 41-Jährige allerdings auch schon ohne die riesigen, behaarten Füße von Bilbo Beutlin eingeschrieben. Weniger mit der Verfilmung von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Aber auf jeden Fall als Watson in der so erfolgreichen wie ziemlich coolen BBC-Reihe „Sherlock“.

Martin Freeman ist Bilbo Beutlin

Und plötzlich die Blockbuster-Hauptrolle: Martin Freeman als Bilbo Beutlin in "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" (Warner Bros.)

BRASH.de: Mr. Freeman, einen Film wie „Der Hobbit“ dreht man nicht eben nebenbei. Wie mühsam war es, sich in Bilbo Beutlin zu verwandeln?

Martin Freeman: Wir haben – mit ein paar Pausen – 18 Monate lang gedreht. Und werden ja nun auch noch weiter drehen, weil es nicht nur zwei, sondern drei Filme geben wird. Aber Langeweile konnte kaum aufkommen, denn jeder Tag hatte neue Überraschungen zu bieten. Bis zum Schluss wurde zum Beispiel immer noch etwas am Drehbuch geändert. Natürlich gibt es bei so einem Projekt auch immer Tage, an denen man auch mal die Nase voll hat und sich echt zusammenreißen muss vor Müdigkeit. Allerdings ist das ja in jedem Job so. Und spätestens wenn einem dann der nächste Oger über den Weg läuft, hebt sich die Stimmung auch wieder.

War es eine große Überraschung, als Peter Jackson kürzlich beschloss, doch noch einen dritten „Hobbit“-Film zu drehen?

Martin Freeman: Ich fiel nicht aus allen Wolken, sagen wir es mal so. Denn irgendwie lag diese Idee schon eine Weile in der Luft. Und dass wir im kommenden Jahr noch einmal nach Neuseeland reisen würden, um einige Szenen des zweiten Teils auszubessern, stand ohnehin schon fest. Da hängen wir dann einfach noch ein paar Wochen dran, kein Problem. Wie bei all solchen Entscheidungen vertraue ich da Peter und seinem Team. Wenn er glaubt, dass es für seine Geschichte besser ist, sie auf drei Filme zu verteilen, dann wird er dafür gute Gründe haben.

Gab es mal einen Moment des Zögerns, ob diese Rolle überhaupt die richtige für Sie ist?

Martin Freeman: Nicht im Hinblick auf die Rolle. Bilbo zu spielen, ist ohne Frage ein Traum, und es war sehr schmeichelhaft, dass man mich dafür haben wollte und auch im Zuge der langwierigen Entwicklungsphase immer an mir festgehalten hat. Aber ich habe mit Peter zu Beginn über ein paar Bedenken gesprochen. Denn natürlich lässt man sich nicht leichtfertig auf ein Projekt ein, für das man so viele Monate lang von seiner Familie getrennt sein muss. Ganz zu schweigen davon, dass man bei einem Erfolg des Films damit rechnen muss, künftig auf ein weiteres bisschen Privatsphäre verzichten zu müssen, das man vermutlich nie zurückbekommen wird. Letzten Endes allerdings konnte mich all das nicht davon abhalten, diese einmalige Chance zu nutzen.

Martin Freeman und Peter Jackson

Der Hobbit ist größer als der Regisseur: Martin Freeman und Peter Jackson am Set (Warner Bros.)

Anders als damals die Kollegen beim „Herrn der Ringe“ wussten Sie dieses Mal immerhin, worauf Sie sich einlassen, oder?

Martin Freeman: Zumindest mehr als die Jungs damals. Allerdings hatte ich mir fest vorgenommen, möglichst wenige Erwartungen irgendeiner Art zu haben. Wenn ich in meinem Leben eines gelernt habe, dann dass es immer anders kommt als man denkt. So abgedroschen es also klingt: ich habe das Unerwartete erwartet. Immerhin verschlug es mich für eine ziemlich lange Zeit mit ziemlich vielen, mir fremden Menschen ans andere Ende der Welt.

Was war denn aber die größte Überraschung während der Arbeit am „Hobbit“?

Martin Freeman: Eigentlich diese unglaublichen Kulissen. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, wie überwältigend es sein würde, alle paar Tage und Wochen an einem neuen, noch beeindruckenderen Set zu arbeiten. Inmitten dieser Welten von so enormer Schönheit zu stehen, war für uns Schauspieler eine echte Ehre. So etwas hatte ich einfach noch nie gesehen.

Einige Darsteller und vor allem ein Großteil des Teams war schon bei den „Herr der Ringe“-Filmen dabei. War es schwer, als Neuling zu dieser Gruppe dazu zu stoßen?

Martin Freeman: Ach, das hielt sich in Grenzen. Ich habe mich da schnell ziemlich gut eingefunden. Und es ist auch nicht so, dass alle die totalen Tolkien-Cracks waren, nur ich nicht. Wenn es darum ging, sich in Mittelerde auszukennen, hatten manche mehr, manche weniger Wissen. Ich war zumindest mit dem Wichtigsten vertraut. Und an die Drehbuchautorin Philippa Boyens kommt sowieso niemand ran.

Wie äußert sich das?

Martin Freeman: Wenn man sich mit ihr über Tolkiens Welten unterhält, dann klingt das bei ihr meistens, als würde sie über reale Ereignisse reden. So wie andere über den Zweiten Weltkrieg sprechen, spricht sie zum Beispiel über die Geschichte der Zwerge. Manchmal hatte ich fast das Gefühl, sie daran erinnern zu müssen, dass es bei all dem nicht um etwas Reales, sondern um die Produkte von Tolkiens Phantasie handelt. Aber diese Begeisterung für den Stoff war auf jeden Fall ansteckend.

Ian McKellen, Elijah Wood und all die anderen Gefährten waren bei der ersten Trilogie ein so eingeschworenes Team, dass sie sich alle das gleiche Tattoo stechen ließen. Gab es so etwas dieses Mal auch?

Martin Freeman: Leider keine Tätowierungen für uns. Nicht einmal auf einander abgestimmte Cockringe! Aber zu einem eingeschworenen Team wurden wir dank vieler gemeinsamer Abendessen und reichlich Alkohol trotzdem.

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