Bradley Cooper im Interview
„Eine Weile machte ich nicht gerade das Beste aus meinem Leben“

Bradley Cooper im Interview über sein bisheriges Schauspiel-Image, Karrieretiefpunkte und seinen neuen Film „Silver Linings“, für dessen Hauptrolle er für einen Oscar nominiert werden dürfte.

Man kennt ihn als Party-Proll aus den „Hangover“-Komödien, als Actionhelden aus dem „A-Team“ oder auch als Sexiest Man Alive, zu dem ihn 2011 das Magazin „People“ kürte. Doch als ernsthaften, preisverdächtigen Schauspieler hatte man Bradley Cooper bislang kaum wahrgenommen. Das ändert sich nun mit seinem wunderbaren neuen Film „Silver Linings“. In der romantischen Tragikomödie spielt der dieser Tage 38 Jahre alt werdende Amerikaner neben Jennifer Lawrence einen psychisch reichlich angeknacksten Ex-Lehrer – und wurde dafür gerade erst für einen Golden Globe nominiert. Wir trafen ihn zum Interview.

Bradley Cooper

Der "Sexiest Man Alive" schimmert hier und da noch durch: Bradley Cooper als Pat in "Silver Linings"

BRASH.de: Bradley, für jemanden, den viele nur aus den „Hangover“-Filmen und dem „A-Team“ kennen, ist Ihre Rolle in „Silver Linings“ eher ungewöhnlich. War es das, was Sie an dem Film reizte?

Bradley Cooper: Ehrlich gesagt war es zunächst einmal vor allem die Aussicht, mit dem Regisseur David O. Russell zusammenzuarbeiten. Für den würde ich auch einfach nur mal durchs Bild laufen, wenn er mich darum bittet. Als er mir diese Rolle anbot, habe ich deswegen wie aus der Pistole geschossen zugesagt. Da war mir noch gar nicht klar, wie schwierig diese Figur tatsächlich zu spielen sein würde.

Aber Sie wollten doch sicher auch ein wenig Ihr Image aufbrechen.

Bradley Cooper: So habe ich das nicht unbedingt gesehen. Klar, „Hangover“ haben verdammt viele Leute gesehen. Aber ich selbst fühle mich eigentlich nicht auf diese Rolle festgelegt oder habe das Gefühl, dass sie typischer für mich ist als nun diese hier oder irgendeine andere Rolle. Über so etwas wie ein Image denke ich gar nicht nach, sondern bin immer noch jedes Mal extrem froh, wenn ich überhaupt für einen Film besetzt werde. Für jede Gelegenheit, eine Rolle spielen zu dürfen, die mir Spaß macht, und mit Menschen zu arbeiten, für die ich mich begeistere, bin ich einfach dankbar. Alles andere ist zweitrangig.

Silver Linings

Drei, die doof aus der Wäsche gucken: Bradley Cooper, Jacki Weaver und Robert de Niro in "Silver Linings"

Die Aussicht, wieder mit Robert de Niro zu spielen, hat sicher auch nicht geschadet, oder?

Bradley Cooper: Natürlich nicht. Wir hatten ja schon „Ohne Limit“ zusammen gedreht, was eine großartige Erfahrung war. Und letztlich war er, soweit ich weiß, auch dafür verantwortlich, dass ich überhaupt die Rolle als sein Sohn in „Silver Linings“ bekommen habe. Er war schon mit an Bord, als der Kollege, der meine Rolle ursprünglich spielen sollte, ausfiel. Es war dann Robert, der mich als Ersatz vorschlug und bei David ein gutes Wort für mich eingelegt hat.

Sie spielen nun einen Mann, der an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung leidet. Wo liegen da als Schauspieler die besonderen Schwierigkeiten?

Bradley Cooper: Zunächst einmal ist das eine Rolle wie jede andere auch. Ob Phil in „Hangover“ oder nun Pat in „Silver Linings“ – diese Typen haben mit mir nichts zu tun, also muss ich sie erst zum Leben erwecken. Und zwar so glaubhaft wie möglich. Ein Unterschied besteht aber natürlich darin, dass ich dieses Mal nicht nur einer von drei Hauptdarstellern war. Und natürlich war in „Silver Linings“ eine ganz andere Emotionalität gefragt, ich musste viel verletzlicher sein.

Ihre allererste Rolle war ein kleiner Auftritt in „Sex and the City“, was nun schon über 13 Jahre her ist. Bis der Durchbruch kam, hat es dann eine ganze Weile gedauert, könnte man sagen…

Bradley Cooper: Das ist wohl wahr. Aber zumindest war ich in der ganzen Zeit nie arbeitslos. Was es bedeutet, seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist natürlich relativ. Doch auf jeden Fall hatte ich immer ein Dach über dem Kopf und musste nach meinem Studiumsabschluss nie noch einen zusätzlichen Nebenjob annehmen. Allerdings kann ich nicht leugnen, dass es eine Phase gab, in der ich darüber nachdachte, die Schauspielerei an den Nagel zu hängen. Die Rollen, die ich bekam, waren nicht besonders befriedigend, und irgendwie hatte ich nach einer Weile das Gefühl, nicht das Bestmögliche aus meinem Leben zu machen. Letztlich war es dann aber meine Liebe zum Medium Film, die mich hat durchhalten lassen. Wann immer ich Leute wie Daniel Day-Lewis auf der Leinwand sah, wusste ich wieder ganz genau, dass ich genau das auch machen wollte.

Silver Linings

"Für David O. Russell hätte ich jede Rolle gespielt": Bradley Cooper bei den Dreharbeiten zu "Silver Linings"

Und genau wie Day-Lewis werden Sie nun in diesem Jahr für „Silver Linings“ voraussichtlich für den Oscar nominiert. Macht Sie das nervös?

Bradley Cooper: Ach, was mich an solchen Preisen vor allem interessiert, ist die Tatsache, dass sie unseren Film im Gespräch halten. Das ist in diesem Fall besonders wichtig, denn eine Geschichte wie „Silver Linings“ lebt von der Mundpropaganda. Der Film passt ja in kein bestimmtes Genre. Er ist weder eine waschechte Komödie noch wirklich ein Drama und auch nicht nur ein Liebesfilm. Deswegen ist es ziemlich schwierig, ihn auf normalen Marketingwegen an den Mann zu bringen. Wenn nun die eine oder andere Nominierung oder Auszeichnung dabei hilft, dem Film noch mehr Aufmerksamkeit zu bescheren, bin ich dafür sehr dankbar.

zur Rezension von „Silver Linings“: „Ein Film wie ein Wunder“

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