„Beasts of The Southern Wild“ im Kino
Die Biester des Südens

Krabben für den Magen, Schnaps für den Suff: Im wunderbaren „Beasts Of The Southern Wild“ kämpft eine kleine Hauptdarstellerin sich und ihre Nachbarn bildgewaltig durch die Südstaaten und das Leben.

Beasts Of The Southern Wild

Kleines Mädchen, großes Biest: Naturtalent Quvenzhané Wallis (r.) in "Beasts Of The Southern Wild"

Mitten im Bayou vor New Orleans, wo statt Häusern nur Hütten und Bauwagen stehen, da liegt „The Bathtube“. In der sumpfigen Siedlung lebte ein buntes Völkchen aus Krabbenfischern, Ölarbeitern, Familien, Trinkern und Gaunern. Überlebenskünstler und selbstbewusste Underdogs sind sie allesamt. Mitten unter ihnen wirbelt die sechsjährige Hushpuppy, die mit ihrem Lächeln Fische aus dem Wasser springen lassen kann und die wilden Biester, die später aus den Tiefen der tauenden Arktis auftauchen, mit ihrem entschlossenen Blick zähmt.

Hushpuppy ist nicht nur mutig, sondern auch schlau: „Im Universum hängt alles mit allem zusammen. Geht etwas kaputt, selbst das allerkleinste Teilchen, geht auch das Universum kaputt.“ Das wunderbar wunderliche kleine Mädchen ist die Erzählerin in Benh Zeitlins Märchen aus einem verlorenen Land, das irgendwie aus der Zeit gefallen ist. Zerstörungen durch Naturgewalten wie Hurrikan Katrina oder Ölkatastrophen wie die der Deepwater Horizon gehören in „The Bathtube“ beinahe zum Alltag, die selbstbewussten Bewohner sind vor allem damit beschäftigt, zu überleben. So wie der kranke Wink, Hushpuppys Dad, der sich allein um seine Tochter kümmert, ihre Mutter ist schon lange weg. Und als wäre die Armut, mit der sich alle arrangiert haben, nicht schon genug, naht auch noch der große Sturm.

Das Klischee vom Sozialmärchen, das jetzt aus so einer Story werden könnte, umgeht Regisseur Benh Zeitlin zum Glück mit Bravour. Denn Wink, Hushpuppy und ihre schrägen Nachbarn lassen sich doch von einem Hurrikan nicht einschüchtern. Wenn alles unterzugehen droht, macht man eben noch eine letzte Party, Krabben für den Magen und Schnaps für den Suff gibt es genug.

http://www.youtube.com/watch?v=LA6FFnjvvmg

Dem Künstlerkollektiv „Court 13“, zu der neben dem Regisseur auch Trickfilmer, Bühnenbildner, Musiker und Autoren gehören, ist mit „Beasts of The Southern Wild“ ein großartiger Film gelungen: Die schlichte Grundlage für ihre Kulissen – das Meer, den Himmel und die Barracken – fanden die Künstler tatsächlich vor Ort in den Sümpfen Louisianas, die Laienschauspieler unter den Einwohner von New Orleans. Der zurückhaltende Wink, der nur besoffen laut wird, wird vom Bäcker Dwight Henry gespielt, der während der Proben zufällig in der Delicious Bakery gegenüber arbeitete. Und ihre Hauptdarstellerin Hushpuppy fand das Team nach Gesprächen mit über 4.000 Kids schließlich in der sechsjährigen Quvenzhané Wallis, die sich als wahre Naturbegabung vor der Kamera entpuppt.

„Beasts of The Southern Wild“ riss die Zuschauer beim diesjährigen Sundance Festival zu Begeisterungsstürmen hin, in Cannes erhielt der Film im Frühjahr 2012 die „Camera D’Or“. Zu Recht, denn kaum eine andere Geschichte, die in den letzten Jahren im Kino erzählt wurde, ist so bildmächtig, so versponnen, so fantasieanregend. Und kein anderer Film, der momentan auf der Leinwand zu sehen ist, hat eine junge Hauptdarstellerin, die ihre Zuschauer dermaßen umhaut. „Beasts of The Southern Wild“ zeigt, wie man seine Kids stark macht, und auch in der größten Not seine Würde bewahren kann.



„Beasts of The Southern Wild“

(USA 2012, 92 Minuten)

Regie: Benh Zeitlin

mit: Quvenzhané Wallis, Dwight Henry, Levy Easterly, Lowell Landes, Pamela Harper u.v.m.

www.welcometothebathtub.com

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