Milan Peschel im Interview
„Ich bin sehr nah am Wasser gebaut“

„Der Schlussmacher“, die zweite Regiearbeit von Matthias Schweighöfer, entpuppt sich wenig überraschend als Blödelkomödie. Ein Lichtblick ist jedoch Schauspieler Milan Peschel, den wir in Berlin zum Interview trafen.

Dezenz ist Schwäche: Milan Peschel blödelt sich durch die Komödie "Der Schlussmacher".

In „Halt auf freier Strecke“ rührte der Film- und Theaterschauspieler Milan Peschel das Publikum zu Tränen. Seine Performance als Familienvater mit einem Hirntumor im Endstadium brachte ihm den Deutschen Filmpreis 2012 ein. Aktuell ist er als komischer Sidekick in Matthias Schweighöfers Komödie „Der Schlussmacher“ zu sehen. Wir trafen Milan Peschel in Berlin und sprachen mit ihm über das Weinen im Kino, Matthias Schweighöfer als Regisseur und seinen Spaß an Stunts.

BRASH.de: Sie brachten im Kino ganz viele Menschen zum Weinen, Herr Peschel. Vor allem auch hartgesottene Kritiker…

Milan Peschel: Es ist ein gutes Gefühl, auf diese Weise von Kritikern Anerkennung zu bekommen. Ich finde Weinen aber nicht so ungewöhnlich, weil ich sehr nah am Wasser gebaut bin.

Wann werden Ihre Augen feucht?

Milan Peschel: Bei dem üblichen. Alles über Familie und Kinder, die simplen, banalen Momente des Lebens. Ich spiegle die Geschichte mit meiner eigenen und dann geht es los. Auch bei einfacheren Filmen, das muss kein Arthouse-Filme sein. Wird etwas angesprochen, was mich betrifft, brechen schon mal die Dämme, da bin ich ein totaler Kitschheini und sehr sentimental.

Lassen Sie dann Ihren Tränen freien Lauf?

Milan Peschel: Nö, ich versuche sie zu unterdrücken. Manchmal bin ich schon froh, dass es im Kino dunkel ist.

Weinen Sie auch im Theater?

Milan Peschel: Klar.

Und was spielen Sie lieber? Theater oder Film?

Künstlerisch dicke Freunde: Matthias Schweighöfer und Milan Peschel

Milan Peschel: Ich möchte beides nicht missen. Vom Theater komme ich her, das möchte ich unbedingt weiter machen. Ich will aber auch weiter Filme drehen. Gerade solche mit Matthias, das ist wichtig für mich, weil wir Freunde sind und ein Stück weit auch Familie. Aber auch Filme wie „Halt auf freier Strecke“ sind für mich wichtig, um in ganz andere Welten einzutauchen.

Was braucht der Schauspieler Peschel von einem Regisseur, wenn er mal nicht weiter weiß?

Milan Peschel: Das ist unterschiedlich. Stehe ich auf der Bühne, brauche ich einen Regisseur, der mir starke Partner an die Seite stellt, die mit mir zusammen die Decke des Theaters wegfliegen lassen wollen.

Und beim Film?

Milan Peschel: Eine Atmosphäre von Vertrautheit ist ideal. Man soll sich immer wohl fühlen bei dem was man tut. Das heißt nicht, dass es keine unangenehmen Situationen geben darf, immer leicht und easy ist auch langweilig (lacht).

Wie erleben Sie Matthias Schweighöfer als Regisseur?

Milan Peschel: Er hilft mir sehr am Set, weil er aufmerksam und genau ist. Matthias hat einen guten Humor und ist beim Drehen flexibel und macht Veränderungen, lässt Improvisation zu oder die Kamera weiterlaufen, um zu sehen, was noch passiert. Er ist gut vorbereitet, aber ohne ein Kontrollfreak zu sein, der alles bis ins letzte Detail vorplant.

Sollte Matthias Schweighöfer nicht mal in einer dramatischen Rolle zu sehen sein?

Milan Peschel: Ja und das kann er auch. Ich glaube, er macht das, wenn er findet, dass die Zeit dafür reif ist. Aber jetzt muss er diese Filme machen. Ist der Drang bei ihm da, dann passiert es auch, garantiert.

Ein ernster Moment: Milan Peschel als Verlassener und Matthias Schweighöfer als der "Schlussmacher"

Hatten Sie nach dem Erfolg mit „Halt auf freier Strecke“ plötzlich viel zu tun?

Milan Peschel: Ja, ich hatte schon ein paar Angebote mehr, ich weiß aber nicht, ob das unbedingt etwas mit „Halt auf freier Strecke“ zu tun hatte. Die vergangenen vier Monate habe ich aber frei gemacht.

Was tut man in solchen vier Monaten?

Milan Peschel: Zeit haben für die Familie, viel Lesen, Kochen und sich mit seine Wehwehchen beschäftigen (lacht). Reines Nichtstun ist es ja nicht. Man liest, um sich auf die nächsten Projekte vorzubereiten. Manchmal auch faul sein, alles ganz unstrukturiert.

Mögen Sie das?

Milan Peschel: Ja, aber ich mag es auch, wenn ich in einer Arbeitsphase bin. Da ist vieles vorgegeben und nimmt einem die Entscheidungen ab. Das ist dann ganz angenehm. Neulich sagte ich zum Osteopathen: ‘Jetzt, wo ich wieder arbeite, geht es mir gleich wieder besser’.

Waren die Stunts in „Der Schlussmacher“ für Sie etwas Neues?

Milan Peschel: Die waren schon neu. Das nächste Mal muss ich mich besser vorbereiten. Gleich bei der ersten Szene, wo ich rennen musste, holte ich mir eine Zerrung. Die spüre ich heute noch manchmal. Die Szene im Auto, das sich überschlägt, fand ich lustig.

Hingen Sie da wirklich drin?

Milan Peschel: Ja, es gab ein Gestell, so drei vier Meter über der Erde, eine Achse, um die sich das Auto drehen konnte. Ich fand es witzig, Matthias und ich waren angeschnallt und drehten uns über Kopf.

Keine Angst?

Milan Peschel: Ich habe großes Vertrauen in Technik oder in Konstruktionen. Für Matthias war es eine Überwindung da reinzuklettern, weil er Höhenangst hat. Ich freute mich aber wie ein kleiner Junge auf dem Weihnachtsmarkt.

Milan Peschel im Kino:

„Der Schlussmacher“
(Deutschland 2012)
Regie: Matthias Schweighöfer
mit: Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Heiner Lauterbach, Nadja Uhl u.v.m.

Kinostart: 10. Januar 2013
www.schlussmacher-derfilm.de

Die Abenteuer des Huck Finn“
(Deutschland 2012)
Regie: Hermine Hunthgeburt
mit: Leon Seidel, Jacky Ido, August Diehl, Henry Hübchen, Milan Peschel u.v.m.

Kinostart: 20. Dezember 2012
huckfinn-film.de

Milan Peschel im Theater:

„Juno und der Pfau“ von Sean O’Casey
Deutsches Theater Berlin

Regie: Milan Peschel
mit Michael Schweighöfer (dem Vater von Matthias), Elias Arens, Moritz Grove, Katrin Klein, Ole Lagerpusch u.v.m.

Premiere 29. Januar 2013
www.deutschestheater.de

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