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'The Impossible' im Kino Naturkatastrophe mit Familienschmalz
von Rajko Burchardt am 31. Januar 2013
„The Impossible“ vermittelt dem Zuschauer schmerzhaft das Ausmaß einer Naturkatastrophe anhand seiner Nachstellung des Tsunamis in Südostasien. Ein packendes, aber auch zwiespältiges Erlebnis. Die erste halbe Stunde dieses Films ist so intensiv wie sicherlich nur wenig anderes im noch jungen Kinojahr. Sie zeigt den unerbittlichen Überlebenskampf während der gewaltigen Flutwelle nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004, die hier unter anderem über eine britische Familie während ihres Thailandurlaubs hereinbricht. Nie zuvor wurde im Kino eine Naturkatastrophe so brutal direkt, so spürbar schmerzhaft inszeniert wie im ersten Drittel von „The Impossible“. Mithilfe einer vollkommen entfesselten Kamera und nahezu unsichtbarer digitaler Spezialeffekte wird der Zuschauer in einen Albtraum aus reißenden Wellen, modrigem Schlamm und bergeweise Müll katapultiert, mit Bildern absoluter Zerstörung und geschundener Körper konfrontiert. Hier liefert der Film aber sogleich eine seiner vielen Angriffsflächen, die besonders US-Kritiker auch großzügig nutzten. Dass der spanische Filmemacher Juan Antonio Bayona („Das Waisenhaus“) sein Katastrophendrama aus der Perspektive einer wohlhabenden westlichen Familie erzählt (statt sich etwa auf Augenhöhe der zahllosen in den betroffenen Regionen beheimateten Opfer zu begeben), warf man ihm genauso vor wie die Ausbeutung des verheerenden Tsunamis als mitreißendes (Effekt-)Spektakel. In der Tat wirft die Besetzung von Naomi Watts und Ewan McGregor als Wohlstandehepaar, dessen auf einer wahren Familientragödie basierende Geschichte dieser Film erzählt, die Frage auf, wie viel Starpower und Hollywoodglanz eine solch dramatische Katastrophe verträgt, um nicht vollkommen unglaubwürdig oder gar geschmacklos zu wirken. Die dick aufgetragene Musik ist dabei genauso wenig geeignet, solche und ähnliche Vorwürfe zu entkräften, wie die zweifellos fragwürdige Strategie des Films, aus dem Unheil und seinen Folgen nägelkauende Spannung gewinnen zu wollen. So dreht sich „The Impossible“ im Wesentlichen um die Frage, ob Watts und McGregor im Chaos der Katastrophe zu sich und ihren Kindern zurück finden – die fünfköpfige Familie also wiedervereint werden kann oder nicht. Unterstellt man dem Film die besten Absichten, dann ist er eben einfach das, was er ist: ein packendes Familiendrama vor dem Hintergrund der größten Naturkatastrophe der vergangenen Jahre. Die bis aufs Unangenehmste realistische Darstellung der zerstörerischen Flutwelle verfehlt nicht ihre Wirkung, die sentimentale Familienzusammenführung wiederum ist genau so emotional und einnehmend, wie sie wohl eben auch gedacht war. Überragende Leistungen der Kinderschauspieler (besonders des 16-jährigen Tom Holland, der zum ersten Mal vor der Kamera stand) halten „The Impossible“ auch während seiner mitunter etwas zähen und absehbaren zweiten Hälfte zusammen, während der Film bis zuletzt von den Eindrücken seiner schonungslosen Eingangsszenen zehren kann. Indem er schließlich eine eher luxuriöse Version von Hoffnung und Glück suggeriert, die den allermeisten Menschen damals schlicht verwehrt blieb, ist er vielleicht sogar reichlich verlogen. Da möchte man es ihm angesichts seiner durchschaubaren Manipulationsabsichten fast übel nehmen, dass er trotzdem so bewegt. Und das tut er, sehr sogar.
„The Impossible“
Kinostart: 31. Januar 2013
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