|
Florian David Fitz im Interview: „Ich bin ja nicht Til Schweiger”
von Patrick Heidmann am 23. April 2010
BRASH.de: Herr Fitz, Sie spielen in „vincent will meer“ nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieben auch das Drehbuch. Wie sind Sie zum Autor geworden? Florian David Fitz: Ich habe auch davor schon mal ein Drehbuch geschrieben. Aber das habe ich nie herausgerückt, was wahrscheinlich auch besser so ist! Irgendwann habe ich allerdings meiner Cousine Ariela Bogenberger, die unter anderem das tolle Drehbuch zum Fernsehfilm „Marias letzte Reise“ geschrieben hat, von meiner Idee zu „vincent will meer“ erzählt, so dass sie mir den Rat gab, mich unbedingt bei der Drehbuchwerkstatt zu bewerben. Da wurde ich tatsächlich genommen – und so habe ich dort im Laufe eines Jahres mit einer Betreuerin das Drehbuch entwickelt. Haben Sie nach einer Alternative zur Schauspielerei gesucht? Florian David Fitz: Den Drang zum Schreiben habe ich schon lange. Ich hatte einfach Lust, selber etwas zu kreieren und ganz frei zu sein in meiner Phantasie. Als Schauspieler kommt man ja oft ans Set, nur um zu merken, dass die Drehbücher eigentlich noch ein paar Fassungen mehr hätten gebrauchen können. Die dann gemeinsam zu verbessern ist eher mühsam, deswegen wollte ich mal eines ganz auf eigene Faust schreiben. Das klingt als seien Sie jemand, der sich auch als Schauspieler gerne aktiv einbringt. Florian David Fitz: Auf jeden Fall bin ich einer, der sich Gedanken macht über seinen Platz innerhalb eines Films und sich mit dem Regisseur austauscht. Für mich gehört es dazu, dass man mitdenkt und nicht nur irgendwelche Anweisungen befolgt. Wissen das die Regisseure immer zu schätzen oder bremst Sie da auch mal jemand? Florian David Fitz: Ich würde natürlich nie einem Regisseur sagen, was er zu tun hat. Deswegen fühlt sich da eigentlich niemand auf den Schlips getreten, denke ich. Es geht einfach nur darum, Fragen zu stellen oder mal auf eine andere Idee aufmerksam zu machen. Das ist mir die liebste Arbeitsweise: wenn sich jeder einbringt mit solchen Angeboten und der Regisseur sich am Ende das raussucht, was er haben möchte. Ich bin kein Fan davon, sich einfach ahnungslos in ein Kostüm stecken zu lassen und stur seine Sätze aufzusagen. Florian David Fitz: Vorstellen kann ich mir das letzten Endes schon. Aber eines nach dem anderen, da habe ich es überhaupt nicht eilig. Da darf ich als Mensch durchaus noch ein bisschen reifen, bevor ich mich darauf einlasse. Und wenn ich irgendwann soweit bin, dann muss es auch wieder ein Projekt wie „vincent will meer“ sein, das wirklich aus meinem Herzen entspringt. Außerdem werde ich dann nicht die Hauptrolle spielen, denn so größenwahnsinnig alles gleichzeitig zu machen bin ich nicht. Apropos aus dem Herzen: wie genau sind Sie denn nun eigentlich auf Vincents Geschichte gekommen? Florian David Fitz: Sie ist auf jeden Fall nicht autobiografisch, wenn Sie das wissen wollen. Wobei die Themen des Films definitiv Themen sind, die mich auch privat in meinem eigenen Leben beschäftigen: also etwa wie man Erfahrungen verarbeitet oder mit sich selbst zurande kommt. Außerdem ist mir auch die Krankheit, also das Tourette-Syndrom, schon im persönlichen Umfeld begegnet, denn einer meiner Lehrer an der Schauspielschule litt daran. Florian David Fitz: Die Aufmerksamkeit ist eine ganz andere. Nicht mehr und nicht weniger. Außerdem merke ich, dass plötzlich mehr auf die Waagschale gelegt wird, was ich sage. Ich versuche, irgendwie allen zu genügen, was natürlich völlig unmöglich ist. Florian David Fitz: Die Fans sind wirklich nett, aber es ist schon sehr viel los. Lustigerweise geht das im Privatleben aber alles noch ganz gut. Ich glaube, dass man auf der Leinwand irgendwie ein anderes Gesicht hat. Zumindest kommt es angenehm oft vor, dass mich niemand kennt. Allerdings bin ich ja auch nicht Til Schweiger – und wir auch Gott sei Dank nicht in Los Angeles, wo überall die Paparazzi lauern. Bei uns geht es immer noch ziemlich gesittet zu. Tatsächlich? Florian David Fitz: Klar! Hier verfolgt mich niemand und es quatscht einen auch nicht jeder sofort an. Natürlich merke ich manchmal, dass irgendwer tuschelt. Mehr ist das allerdings selten. Dass ich jetzt berühmter bin als früher merke ich eher daran, dass ich viel Post bekomme oder ab und zu jemand meine Telefonnummer rausbekommt. Aber es ist noch nie etwas gewesen, was wirklich unangenehm gewesen wäre. Und beruflich? Da ist doch sicher auch eine Veränderung zu spüren, oder? Florian David Fitz: Auch da ist tatsächlich mehr los als früher. Plötzlich haben mich Leute auf dem Schirm, die das früher nicht unbedingt hatten. Mein Jahr ist jedenfalls voll verplant. Zumal wir ja ab Ende April noch die dritte und letzte Staffel von „Doctor’s Diary“ drehen, damit ist schon mal ein halbes Jahr weg. Die Serie ist mittlerweile ein echter Hit. Haben Sie damit gerechnet? Florian David Fitz: Nein, ganz ehrlich nicht. Man denkt schon bei jedem Projekt, dass es irgendwie ankommen könnte. Aber dass das so groß werden würde, hatte ich damals, als wir die Pilotfolge gedreht haben, nicht gedacht. Allerdings war es ja auch erst danach, dass das Team beziehungsweise die ganze Serie so richtig zusammengefunden hat. Plötzlich stimmte die Chemie – und das merkt der Zuschauer wahrscheinlich. Früher haben Sie überwiegend Nebenrollen gespielt, mittlerweile sind Sie ein gefragter Hauptdarsteller. Ist der Druck da größer? Florian David Fitz: Ja, finde ich schon. Den Druck fühle ich aber eher im Vorfeld. Bei der Arbeit versuche ich das zu vergessen. Bringt mich ja nicht weiter. Im Gegenteil: ich funktioniere nicht so gut unter Druck. In einem Interview haben Sie mal gesagt, Sie würden Frauen nicht wirklich verstehen. Hat sich daran etwas verändert? Florian David Fitz: Na ja, da ging es nur um die unterschiedliche Art der Geschlechter zu kommunizieren. Männern – zumindest wollen wir das glauben – geht es eher um Information um einer Lösung näher zu kommen, während bei Frauen oft die Kommunikation selber im Vordergrund steht. Die Lösung ist nicht so wichtig wie die Tatsache, dass man drüber gesprochen hat (lacht)! Sowohl in „Doctor’s Diary“ als auch zuletzt in „Männerherzen“ ging es um Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wobei das mit einer Mischung aus Humor und Romantik durchgespielt wurde. Was von beidem spielt in Ihrem Leben eine größere Rolle? Florian David Fitz: Definitiv Humor! Scheiß auf Romantik. Nichts geht mehr in die Hose, als einen Abend ganz romantisch gestalten zu wollen. Keine Anzahl von Kerzen am Badewannenrand macht einen Moment auf Biegen und Brechen besonders, weil ich mir das grade wünsche. Romantische Momente sind doch im Rückblick immer Geschenke des Zufalls, oder?
Ähnliche Artikel Keine Punchlines, kein Humor, keine Pointen: Nilz Bokelberg stichelt gegen seinen Ex-Konkurrenten… Smart erzählt und actionreich umgesetzt: „21 Jump Street“, nach der RTLplus-Serie aus den… Von Tim über Timberlake bis Don Draper: Helden und Anti-Helden findet man eben doch noch auf der… Seth Rogen im Interview über seine Hochzeit, seinen… Samuel L. Jackson ist einer der vielen Stars in… |